„SPORTLICH GLEICH DOPPELT DIE LEIDTRAGENDEN“

  • United Volleys unglücklich über Nachholtermin gegen Friedrichshafen
  • Heerstraß zu Pokal-Entscheidung: „Da fehlt mir jedes Verständnis“
Die United Volleys müssen auf ihr drittes Saison-Duell mit dem VfB Friedrichshafen leider noch länger warten. (Foto: Günter Kram)

Wirklich unerwartet kam die Mitteilung der Volleyball Bundesliga nicht: Das für Samstag geplante Heimspiel gegen Friedrichshafen wird wegen der Corona-Quarantäne beim Rekordmeister verschoben und muss am 3. März nachgeholt werden. Damit verlieren die United Volleys nicht nur ihr einziges TV-Spiel auf SPORT1 in der laufenden Hauptrunde. Der neue Termin hat weitaus gravierendere Auswirkungen: „So schwierig und bedauerlich die Situation war, die der VfB durchmachen musste, so ärgerlich ist es, dass wir nun ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase gleich doppelt sportlich die Leidtragenden sind“, beklagt United-Geschäftsführer Guido Heerstraß. „Vor unserem DVV-Pokalfinale am 28. Februar in der Mannheimer SAP Arena haben wir jetzt zwei komplette Wochen lang keinerlei Wettkampfpraxis.“

Auswirkungen auf die entscheidenden Saisonphase

Dass sich Testspiele gegen adäquate Gegner, zum Beispiel aus dem Ausland, als Alternative momentan verböten, verstehe sich wohl von selbst. Mit etwas mehr Flexibilität und Rücksicht auf einen Pokalfinalteilnehmer wäre die jetzige Lage durchaus vermeidbar gewesen, findet man bei den Uniteds, die die Partie vom Samstag lieber kurzfristiger nachgeholt hätten. So müssen sie nur drei Tage nach dem Endspiel gegen Friedrichshafen antreten, wiederum drei Tage später dann auswärts beim direkten Konkurrenten Bühl. „Jeder, der die Tabelle lesen kann, sieht, dass die Vergabe der Playoff-Plätze am letzten Spieltag entschieden wird und es dabei auf jeden Punkt ankommt. Dass das für uns unter solchen Voraussetzungen stattfinden muss, ist wirklich bitter – gerade mit Blick auf unsere Verletzungsmisere“, so Heerstraß.

Auch in diesem Punkt gibt es keine guten Nachrichten für die United Volleys: Ein Antrag, für das DVV-Pokalfinale diesmal auch solche Spieler zuzulassen, die erst nach dem Halbfinale auf die Mannschaftsliste gekommen sind, wurde von der Volleyball Bundesliga am Donnerstag abgelehnt. „Wir haben eindeutige Rückmeldungen, dass drei von vier betroffenen Vereinen mit der zuletzt ins Spiel gebrachten Variante eines ‚Medical Jokers‘ einverstanden waren, auch unser Gegner aus KW“, erklärt Heerstraß. Dabei hätte ein einziger Spieler pro Team einen verletzten Kollegen auf der gleichen Position ersetzen dürfen – im internationalen Sport eine bekannte Praxis. „Niemand musste befürchten, dass andere irgendeinen Starspieler verpflichten. Dass der Liga-Vorstand sich ausgerechnet in diesem Punkt auf fehlende Einstimmigkeit beruft und nicht den Mut hat, selbst die einzig richtige Entscheidung zu treffen, wenn sich einer querstellt – Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“

Amateurspieler als Widerspruch zum Hygienekonzept

Der Vorstand habe unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie schließlich schon andere verantwortungsvolle Beschlüsse gefasst, etwa gerade erst die kurzfristige Verlängerung der Transferfrist bis zum 8. Februar. „Da wurde überhaupt keiner vorher nach seiner Meinung gefragt, geschweige denn abgestimmt. Und dabei betrifft das viel mehr Vereine, die zum Beispiel mit Blick auf die zu knappe Zeit bis zum Fristende einem Wunschspieler abgesagt haben und nun möglicherweise gegen Konkurrenten antreten müssen, die sich noch frisch verstärken konnten.“ Nur noch Kopfschütteln löst da in Frankfurt die Tatsache aus, „dass jetzt von uns erwartet wird, den vorgeschriebenen 12er-Kader mit Nachwuchsleuten und mit Drittligaspielern aus der 2. Mannschaft aufzufüllen.“

Mit Amateurvolleyballern also, die seit Monaten keinen Ball in der Hand hatten und keine Halle von innen gesehen haben. „Die sollen wir noch schnell ins Training integrieren, ungeachtet der Tatsache, dass das nun wirklich keine Profis sind, die in der vielzitierten ‚Bubble‘ leben. Das sind Berufstätige, Auszubildende oder Studenten. Die können es sich nicht aussuchen, ob sie zum Beispiel auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten. Ich weiß nicht, warum wir uns dann die Arbeit mit Hygienekonzepten und den ganzen Tests machen und auf unsere Vorbildfunktion achten, wenn das bei einem der wichtigsten Events das Jahres plötzlich keine Rolle mehr spielt“, kritisiert Geschäftsführer Heerstraß. Aber: „Wir werden uns auch dieser Herausforderung stellen und versuchen, als Team Motivation daraus zu schöpfen. Im Pokal-Halbfinale hat das ja schon einmal ganz gut funktioniert.“