VOM SERIENSTART BIS ZUR POKAL-SENSATION

  • Rückblick auf ein Jahr voller Höhepunkte und Herausforderungen
  • Heimspiel gegen Helios Grizzlys Giesen vom 3. auf 28. Januar verlegt
Mit dem comdirect Supercup im Oktober bestritten die United Volleys 2020 das erste Finale ihrer Geschichte. (Foto: Conny Kurth)

Zum Ende eines außergewöhnlichen (Sport-)Jahres und in der aktuellen Pandemie-Situation überrascht diese Meldung wohl kaum: Das Heimspiel der United Volleys gegen die Helios Grizzlys Giesen wird vom ursprünglich geplanten Termin am 3. auf den 28. Januar verlegt. Damit fällt die Spielpause über Weihnachten und Silvester nun doch länger aus als gedacht. Weiter geht es am 9. und 10. Januar mit dem Doppelspiel-Wochenende gegen die Netzhoppers KW-Bestensee (Fraport Arena) und VCO Berlin (Carl-von-Weinberg-Schule). Die Frankfurter Erstligavolleyballer reagieren damit in Abstimmung mit der Gastmannschaft und der Volleyball Bundesliga auf das erhöhte Infektionsrisiko nach den Feiertagen.

Das Training haben Coach Juan Manuel Serramalera und seine Männer dennoch bereits am 27. Dezember wieder aufgenommen, auch über den Jahreswechsel wird es lediglich zwei freie Tage geben. Der standardmäßige Corona-Schnelltest nach Weihnachten fiel in allen Fällen negativ aus. Dass die Entscheidung für einen Wochentags-Spieltag anstelle des vermeintlich attraktiven Ferien-Termins in „Geisterspiel“-Zeiten nun keine schwere war, zeigt, wie dramatisch sich im laufenden Jahr die Bedingungen für den Profisport geändert haben. Als die Uniteds vor einem Jahr in die Rückrunde starteten, war daran noch nicht zu denken. Dennoch war auch der Januar 2020 eine aufregende Zeit für die Hessen-Volleyballer.

Serienstart und Trainerwechsel

Während in Berlin die Nationalmannschaft mit Tobias Krick knapp an der Qualifikation für die (später verschobenen) Olympischen Spiele in Tokio scheitert, beginnt auf SPORT1 die bundesweite Ausstrahlung der Doku-Serie „INSIDE UNITED VOLLEYS – Profisport zwischen Traum und Wahnsinn“ – stets in Verbindung mit einer Live-Spielübertragung und dementsprechend guten Einschaltquoten. Nach sechs Folgen sorgt das vorzeitige Ende der Bundesligasaison für eine ungeplante Unterbrechung. Dessen ungeachtet wird die Serie seitdem sogar international erfolgreich: Über die populäre südamerikanische Sendergruppe TV Azteca erreicht die eigens synchronisierte spanischsprachigen Fassung in Mexiko, Argentinien, Chile und zahlreichen weiteren Ländern ein Millionenpublikum.

Der Januar bringt ein weiteres Novum in der 2015 begonnenen United Volleys-Geschichte: Erstmals trennt sich der Club vorzeitig von einem Trainer. Nach den durchwachsenen Eindrücken der Hinrunde wird der Vertrag mit dem Kanadier Stelio DeRocco aufgelöst. Juan Manuel Serramalera übernimmt und bleibt nach einem ersten Ausrufezeichen im Europapokal gegen Izmir mit seinem Team bis zum Saison-Aus ungeschlagen. Zum ersten Sieg gegen Friedrichshafen in der Fraport Arena (vorher hatte man den Bundesliga-Rekordmeister nur auswärts und im Pokal-Ausweichquartier in Wiesbaden bezwungen) kommt eine weitere gute Nachricht: Mit dem langjährigen Nationalmannschaftskapitän, Champions League-Gewinner und Olympiateilnehmer Jochen Schöps wechselte eine echte Volleyball-Legende an den Main.

Saison-Abbruch und erstes Finale

Nach acht Bundesliga-Siegen in Serie erleben die Uniteds Mitte März unmittelbar vor der Partie in Herrsching und dem Spitzenspiel zuhause gegen Meister Berlin das abrupte Saisonende – „Die einzig richtige Konsequenz, um den immer gravierenderen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie Rechnung zu tragen“, wie Geschäftsführer Jörg Krick schon damals betont. Kurzfristig wird vor allem den ausländischen Spielern die rasche Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht. Die folgenden Monate sind geprägt von Bemühungen auf allen Ebenen, angesichts der neuen, ungewissen Situation den Spielbetrieb in der höchsten deutschen Liga fortzusetzen. Insbesondere die Unterstützung des Landes Hessen trägt dazu bei, dass dies letztendlich gelingt.

So kann der Vertrag mit Erfolgscoach Serramalera verlängert werden. Auf Seiten der Mannschaft müssen als Corona-Folge einige Leistungsträger verabschiedet werden, die man unter normalen Umständen gern in Frankfurt gehalten hätte, an vorderster Stelle Tobias Krick, der nach Italien wechselt, und der japanischen Superstar Masahiro Yanagida, der sich mit Blick auf Olympia für ein Engagement in der Heimat (um)entscheidet. Stattdessen können gleich mehrere deutsche Nationalspieler an den Main geholt werden. Hohe Wellen schlägt in diesem Zeitraum die Nicht-Nominierung der United Volleys – beim Saison-Abbruch auf Tabellenplatz zwei – für den zweiten deutschen Startplatz in der Champions League. Gleichzeitig freut man sich über die Qualifikation für den comdirect Supercup, das erste Finale überhaupt für die Frankfurter.

Schwieriger Auftakt und Pokal-Sensation

Die haben seit August einen neuen Geschäftsführer: Für Gründer Jörg Krick, der sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen und auf langfristige strategische Themen konzentrieren will, übernimmt Guido Heerstraß, zuvor in gleicher Funktion beim VfB Friedrichshafen und beim Handball-Traditionsverein TV Großwallstadt am Ruder. Im Supercup, der angesichts der Corona-Beschränkungen am 11. Oktober in der Fraport Arena ausgetragen wird, bieten die Uniteds dem Favoriten Berlin drei Sätze lang ordentlich Paroli und stellen mit dem 18-jährigen Ben Bierwisch den „Most Valuable Player“. Kurz zuvor müssen sie noch einen schmerzhaften Rückschlag verkraften: Mit dem Niederländer Floris van Rekom fällt ausgerechnet einer der absoluten Top-Spieler und Punktegaranten der Vorsaison dauerhaft aus. Ersatzmann Rodrigo Quiroga aus Argentinien muss direkt nach seiner Ankunft in Corona-Quarantäne.

So misslingt der sportliche Auftakt. Erstmals überhaupt verlieren die United Volleys (gegen Lüneburg und bei den Netzhoppers KW) gleich zwei Mal hintereinander zum Rundenstart. Erst beim schwer erkämpften 3:2 gegen Herrsching gelingt die Trendwende. Dafür erfüllt sich für den Club ein seit 2015 gehegter Traum: Mit imponierenden Auftritten gegen den damaligen Spitzenreiter Bühl und beim hochspannenden 3:2 in Friedrichshafen schafft das Team den Einzug ins DVV-Pokalfinale, das am 28. Februar in der Mannheimer SAP Arena ausgespielt werden soll. Damit stehen die United Volleys zum zweiten Mal innerhalb einer Saison in einem Endspiel und haben die Chance auf den ersten Titelgewinn.

Herausforderungen bleiben

Auch in der Liga soll in der Rückrunde und bis zu den Playoffs noch Boden gutgemacht werden. Vor Weihnachten gelingt zuhause gegen die Bühler Bisons ein weiterer wichtiger Erfolg. In einem Jahr, das für den Sport in Deutschland und international mit keinem anderen zuvor vergleichbar ist, gab es somit bei den United Volleys Höhepunkte und Herausforderungen im positiven wie im negativen Sinne. Dazu zählen abseits des Spielfeldes die Anstrengungen zur Erarbeitung eines umfassenden Hygienekonzepts für den Spiel- und Trainingsbetrieb oder der Aufbau eines eigenproduzierten Heimspiel-Streams mit Livekommentar auf sporttotal.tv. Ähnlich anspruchsvoll dürfte es in 2021 weitergehen – hoffentlich irgendwann auch wieder mit dem, was für Sportler die größte Motivation bedeutet: der Anteilnahme und Unterstützung ihrer Fans vor Ort in der Halle.