„VIEL CHARAKTER“ FÜR DEN ENDSPIEL-EINZUG

  • United Volleys im Pokal-Halbfinale vor schwerer Aufgabe
  • Gastgeber Friedrichshafen in Champions League-Topform
Jakob Günthör (links) und Daniel Malescha (rechts) kehren im Pokal an ihre alte Wirkungsstätte Friedrichshafen zurück. (Foto: Corinna Seibert)

Wirkliches Losglück hatten die United Volleys im DVV-Pokal noch nie. Man denke nur an das Premierenjahr 2015, als man sensationell im Viertelfinale den Titelverteidiger aus Friedrichshafen ausschaltete, um den in der nächste Runde prompt auf das nächste „Über-Team“ aus Berlin zu treffen. Oder die Saison darauf, als es direkt zum Auftakt die Begegnung mit dem amtierenden Meister gab. Selbst die Corona-Pandemie, die den Spielmodus ordentlich durcheinandergewirbelt hat, konnte daran nichts ändern: Während die Berliner sich mit einer 2:3-Heimniederlage gegen Königs Wusterhausen frühzeitig verabschiedet und den Weg für ein spannendes Halbfinale der Netzhoppers gegen Herrsching frei gemacht haben, bekommen es die Frankfurter am Donnerstag (20 Uhr live auf SPORT1) einmal mehr mit dem Rekord-Pokalsieger vom Bodensee zu tun.

Unbekanntes Terrain wartet auf die Gäste

„Die Favoritenrolle ist eindeutig verteilt. Friedrichshafen hat wieder ein herausragendes Team, das erst eine Niederlage in der Bundesliga erlitten und zudem den Heimvorteil auf seiner Seite hat“, stellt United-Cheftrainer Juan Manuel Serramalera fest. Wie stark die Häfler aktuell drauf sind, konnten sie vergangene Woche in der Champions League unter Beweis stellen, wo sie sogar über die Russen von Lokomotive Nowosibirsk triumphierten. Auf der Diagonalposition präsentiert sich Italien-Rückkehrer Linus Weber in bestechender Form. Mit dem erfahrenen Zuspieler Dejan Vincic aus Slowenien und dem französischen Europameister und World League-Gewinner Nicolas Maréchal haben zwei weitere Neuzugänge im Kader von Ex-United-Coach Michael Warm voll eingeschlagen.

Selbst die Berlin Recycling Volleys, Pokal-Verteidiger und Liga-Dominator aus dem Vorjahr, mussten sich in Friedrichshafen vor wenigen Wochen sang- und klanglos in drei Sätzen geschlagen geben. Genau wie diese Partie finden auch das Match der United Volleys und das nur zwei Tage später anstehende Wiedersehen in der Volleyball Bundesliga nicht in der altbekannten ZF Arena statt. Genauer gesagt wird dort überhaupt nie wieder ein Volleyballspiel ausgetragen. Die langjährige VfB-Heimstatt wurde aufgrund baulicher Mängel unmittelbar vor dem Saisonstart für immer geschlossen, mit der neuen Zeppelin CAT Halle A1 fand sich jedoch in beeindruckend kurzer Zeit ein mehr als adäquates Ausweichquartier. Ähnlich unverhofft konnte man dazu noch einen ganz großen Namen des deutschen Volleyballs an Bord holen: Nationalspieler Marcus Böhme verstärkt mittlerweile den Bodensee-Block.

Rückkehr für Schöps, Günthör und Malescha

Dafür gibt es im Team der Uniteds gleich drei feste Größen mit VfB-Vergangenheit: Jochen Schöps machte hier die ersten Schritte in seiner langen Weltkarriere und gewann 2007 die Champions League. Jakob Günthör ist in Friedrichshafen nicht nur sportlich (2,12 Meter) groß geworden, und auch Daniel Malescha schlug dort vor seinem Wechsel an den Main vier Jahre lang auf. Motiviert für den großen Pokal-Coup und den Einzug ins Finale in der Mannheimer SAP Arena sind jedoch alle Frankfurter, bestätigt der Trainer: „Jeder weiß, dass das eine einmalige Chance ist, gerade in einem so schweren Jahr wie 2020, und will diese beim Schopf packen.“ Trotz der Übermacht der Gastgeber „sind auch wir in den zurückliegenden Wochen immer besser geworden und haben im Viertelfinale in Bühl mit viel Charakter unser bislang bestes Spiel gezeigt“, so Serramalera.