OHNE GÜNTHÖR UND GROZER CHANCENLOS

  • United Volleys unterliegen Friedrichshafen bei „Pokal-Revanche“
  • Serramalera: „Haben unsere Chance am Donnerstag genutzt“
Youngster Linus Hüger bedankte sich für seine Einsatz-Chance mit einer energiegeladenen Vorstellung. (Foto: Corinna Seibert)

Zu was sie imstande sind, wenn sie nach einer ungestörten Trainingswoche vollzählig zu einem Spiel antreten können, haben die United Volleys mit ihrem Pokal-Halbfinalsieg am Donnerstag beim VfB Friedrichshafen eindrucksvoll bewiesen. Man hätte es nach dem bisherigen Saisonverlauf fast vorausahnen können: Dieses Glück war ihnen am Samstag beim Bundesligaduell an gleicher Stelle kein zweites Mal vergönnt, das mit 0:3 (19:25, 20:25, 21:25) klar an die Gastgeber ging. Mit Jakob Günthör fehlte kurzfristig nicht nur ein gebürtiger „Häfler“, sondern zugleich ein Akteur, der zwei Tage zuvor maßgeblich zum Finaleinzug beigetragen hatte. In seinem familiären Umfeld war es zu einem Kontakt gekommen, bei dem sich im Nachhinein der Verdacht einer Corona-Infektion ergeben hatte. Daraufhin begab sich der Mittelblocker direkt in Quarantäne.

Günthör droht Quarantäne-Pause

Ein aussagekräftiger Test wurde für ihn von den Medizinern erst für den Montag als sinnvoll eingestuft. Nach den geltenden Vorschriften wäre allerdings schon der bestätigte Kontakt mit einer infizierten Person ausreichend, um ihn für die kommende Woche aus dem Verkehr zu ziehen. „Für uns war jedenfalls klar, dass wir sofort reagieren mussten“, unterstrich Cheftrainer Juan Manuel Serramalera. Mit Neuzugang Facundo Imhoff besaß er zumindest eine Alternative im Kader, wenngleich keine wirklich mit der Mannschaft eingespielte. „Dennoch hat Facu gezeigt, wie wertvoll er für uns wird“, lobte Serramalera. Ab Satz zwei musste er noch auf einen weiteren Leistungsträger verzichten. Pokal-„Matchwinner“ Tim Grozer plagten schon beim Training am Vorabend Schmerzen im Schulterbereich, wo sich vermutlich ein Nerv verklemmt hat.

Für ihn kam der Heidelberger Linus Hüger vom Volleyballinternat Frankfurt ins Spiel und machte seine Sache einwandfrei. „Toll, wie ein Junge, der erst vor vier Monaten siebzehn geworden ist, mit so viel Energie, so couragiert und diszipliniert auf dem Feld steht. Jeder im Team hat ihm diesen Auftritt gegönnt“, freute sich der Cheftrainer, der zugleich hofft, dass sich die Probleme bei Grozer schnell wieder erledigt haben werden. Angesichts dieser Umstände sei von vornherein klar gewesen, „dass das ein völlig anderes Match wird als am Donnerstag.“ So habe Friedrichshafen diesmal ein unglaublich hohes Niveau im Angriff gezeigt – „Das hat es uns sehr schwer gemacht, auch wenn wir unser Bestes gegeben haben.“ Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete beim VfB der Kubaner David Fiel, der im Pokal keine Sekunde auf dem Court gestanden hatte und nun anstelle der Arrivierten Böhme und van de Velde im Mittelblock mit stolzen 13 Punkten glänzte.

Vor dem Heimspiel Blick auf die Politik

Ein weiterer entscheidender Unterschied waren die Aufschläge der Hausherren mit neun Assen in drei Sätzen. Auch wenn ein paar Netzroller dabei waren, taten sich die Uniteds generell in der Annahme schwerer. „Aber dafür haben wir im Sideout gegen eine der Top-Mannschaften eine gute Leistung gezeigt“, war Serramalera mit diesem Element, an dem man viel gearbeitet habe, zufrieden. Silber-„MVP“ Daniel Malescha trug erneut die Hauptlast im Angriff und bekam ein „wirklich sehr hohes und vor allem stabiles Level“ bescheinigt. Mehr als eine schöne Aufholjagd von 5:11 auf 13:15 inklusive Hüger-Ass in Satz zwei und ein bis zur zweiten Auszeit ausgeglichener dritter Durchgang mit Mario Schmidgall im Zuspiel war an diesem Tag dennoch nicht drin.

„Am Donnerstag hatten wir unsere Chance und sind sehr froh, dass wir die genutzt haben“, so der argentinische Coach: „Das Pokalfinale war für uns alle ein großer Traum, jetzt haben wir ihn wahrgemacht.“ Mit der auch am Samstag gezeigten Steigerung, vor allem im Offensivbereich, sieht er sein Team „weiterhin auf dem richtigen Weg.“ Nach der Rückfahrt nach Frankfurt und einem verdienten Ruhetag steht ab sofort die Vorbereitung auf die Bundesliga-Begegnung mit den Volleyball Bisons Bühl am Sonntag im Fokus. Mindestens ein Auge richten die Uniteds dabei allerdings auch auf die anstehenden Entscheidungen der Politik. Erneut könnten die notwendigen Pandemie-Maßnahmen in den kommenden Wochen die Termine und Planungen der Liga durcheinanderbringen.