DER MANN MIT DEM GOLDENEN HANDGELENK

  • United Volleys feiern gegen Herrsching ersten Saisonsieg
  • Routinier Jochen Schöps sichert sich „MVP“-Medaille
Deutschlands Volleyball-Legende Jochen Schöps trug nach seiner Einwechslung entscheidend zum Sieg gegen Herrsching bei. (Foto: Marcel Lorenz)

Manchmal ist ein knapper Tiebreak-Sieg schöner als ein deutliches 3:0 oder 3:1 – nämlich immer dann, wenn man eigentlich schon nicht mehr mit einem Erfolg gerechnet hat. Dementsprechend groß war am Samstagabend der Jubel auf Seiten der United Volleys, als Routinier Jochen Schöps eine grandiose Aufschlagserie, die er beim Stand von 12:12 im Entscheidungssatz begonnen hatte, mit einem unnachahmlich eingerollten Ass zum 15:12 und zum 3:2 (25:20, 21:25, 23:25, 25:22, 15:12)-Heimsieg gegen die WWK Volleys Herrsching abschloss. 1:5 hatten die Frankfurter schon zurückgelegen, bevor ein Donner-Hammer von Jakob Günthör die Aufholjagd eröffnete. „Ich bin sehr glücklich über dieses Resultat, noch mehr aber über die Leistung der Mannschaft, die sich verdientermaßen belohnt hat“, freute sich Chefcoach Juan Manuel Serramalera.

Grozer mit „Kopftreffer“

Dass er und seine Männer endlich einmal eine volle Woche mit komplettem Kader trainieren konnten, hatte sich sichtbar ausgezahlt. „Wir waren mit Rodrigo Quiroga im Annahmeriegel deutlich stabiler und hatten dadurch viel mehr Optionen im Side-Out“, so der zufriedene Coach. Auf dieser Grundlage konnten die Frankfurter auch einen anfänglichen Rückstand von drei Zählern ausgleichen. Youngster Tim Grozer, der zuvor schon sein erstes Ass eingeschenkt hatte, stellte mit einem Monsterblock den Anschluss zum 10:11 her, Noah Baxpöhler besorgte per Schnellangriff die 13:12-Führung. Punkt für Punkt setzten sich die Hausherren anschließend ab. Den Satzball schloss Günthör mit einem spektakulären Einerblock gegen den aus dem Herrschinger Hinterfeld anfliegenden Tim Peter ab.

Ähnlich produktiv lief es in Satz zwei weiter, in welchem nun die United Volleys eine Drei-Punkte-Führung herausarbeiteten – unter anderem durch einen kuriosen „Kopftreffer“ von Grozer, der den Ball vom bayerischen Block an den Schädel bekam, von wo er zielsicher ins Herrschinger Feld prallte. Trotz atemberaubender Abwehraktionen von Satoshi Ide & Co. genügten dann jedoch einige unglückliche Aktionen, um den Gegner vorbeiziehen zu lassen. Auf Seiten der WWK Volleys, die den United-Libero in der Annahme weitgehend mieden, hatten nun vor allem Zuspieler Johannes Tille und US-Diagonalangreifer Jalen Penrose im Aufschlag durchgeladen. Insgesamt drei Service-Winner kamen nicht nur unannehmbar, sondern auch noch zur Unzeit über das Netz, etwa zum vorentscheidenden 20:24. Beide Teams lieferten sich nach dem Satzausgleich weiter lange und umkämpfte Ballwechsel, zunehmend allerdings mit dem besseren Ende für die Gäste.

„Teulfelsjochen“ Schöps

Und das, obwohl gleich mehrere Uniteds in Elementen glänzten, die normalerweise gar nicht zu ihren Kernkompetenzen gehören. Von den starken 22 Punkten, die Topscorer Tim Grozer erzielte, waren beispielsweise gleich drei erblockt. Da wollte der etatmäßige Mittelblocker Jakob Günthör sich nicht lumpen lassen und lieferte seinerseits drei Asse ab – eines zum 17:21 in Durchgang drei, in dem es daraufhin noch einmal spannend wurde. Die United Volleys glichen zum 23:23 aus und hatten Pech beim Satzball gegen sich, der fast schon ins Herrschinger Feld hineingefallen wäre, bevor Daniel Malescha am Bayern-Block scheiterte. Im vierten Satz mussten sich die Frankfurter erst zurück ins Match kämpfen, nunmehr mit einem trickreichen Jochen Schöps, der sein legendäres Handgelenk ein ums andere Mal erfolgreich einzusetzen wusste und dafür später zum „MVP“ gekürt wurde.

Dank Günthörs angesprochenen Assen, Baxpöhlers Blocks und eines Tim Grozer, der immer neue Angriffs-Lösungen fand, war mit dem 2:2 nach Sätzen der erste Punkt der Saison eingefahren. Mehr schien zunächst nicht in Sicht, bevor Schöps in eingangs beschriebener Manier zum „Teufelsjochen“ aus Herrschinger Sicht mutierte und den WWK Volleys die Halloweenparty zur Horrorshow werden ließ. „Die harte Trainingsarbeit hat sich bezahlt gemacht“, fand Coach Serramalera es „beachtlich, dass wir gegen ein Team, das immer sehr viele Bälle holt, selbst sogar noch häufiger aus der eigenen Abwehr heraus angreifen konnten.“ Trotz des „großen Schritts nach vorn“ sah er „noch viel Luft nach oben.“ Nun soll auch die kommende Woche intensiv genutzt werden, um sich optimal auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Der reist wieder aus Bayern an: Am Sonntag (8.11.) ist der TSV Unterhaching mit Ex-United-Zuspieler Patrick Steuerwald auf der Trainerbank zu Gast.