RULE KRICKTANNIA – TOBI WIRD EIN „POLE“!

  • Nationalspieler wechselt zu IBB Polonia London
  • Brasilien-Legende Giba gibt den Ausschlag
United-Nationalspieler Tobias Krick wechselt zu Polonia – aber nicht nach Polen. (Foto: Manfred Neumann)

Das Rätsel ist gelüftet: Gut zwei Wochen, nachdem der intern bereits länger feststehende Abschied von United Volleys-Nationalspieler Tobias Krick auch offiziell verkündet wurde, ist nun klar, für welchen Club der „Krickster“ ab der nächsten Saison ans Netz gehen wird. Und Krick wäre nicht Krick, wenn er nicht auch dabei mit einer faustdicken Überraschung aufwarten könnte. IBB Polonia London heißt das Team, für das sich der 21-jährige entschieden hat. Statt in die Volleyball-Hochburgen Italien, Russland oder Polen zieht es den gebürtigen Rheinhessen damit aus Frankfurt in eine andere Finanzmetropole. Die Gründe dafür waren so außergewöhnlich wie schon vieles in der jungen Karriere des 2,11-Meter-Riesen.

Investitionen für europäische Spitze

„Als mich der Präsident von Polonia schon vor einigen Monaten angerufen hatte, bin ich zunächst davon ausgegangen, das wäre ein polnischer Verein, vielleicht ein Aufsteiger in die PlusLiga“, berichtet der Spitzen-Mittelblocker. Kein Wunder, besagter Anrufer heißt nämlich Bartek Luszcz und hat wie praktisch die gesamte Vereinsführung polnische Wurzeln. Erst bei einem späteren Videotelefonat habe er irgendwann festgestellt, dass die Anfrage aus England komme, so Krick. Ausschlaggebend für seine unerwartete Entscheidung sei jedoch ein anderer gewesen: Brasiliens Volleyball-Legende Gilberto Godoy Filho, besser bekannt als „Giba“. Der dreifache Weltmeister und Olympiasieger, mittlerweile 43 Jahre alt, spielt selbst in London. Zusätzlich ist er aber auch im Management des Clubs engagiert.

„Das war natürlich schon ein besonderer Moment, wenn so ein Weltstar auf dem Bildschirm auftaucht und einen von den Zukunftsplänen seiner Mannschaft überzeugen will“, schildert Tobias Krick. Schon im vergangenen Jahr hatte der sechsfache englische Meister an der Champions League-Qualifikation teilgenommen, es aber nicht in die Gruppenphase geschafft. Das soll sich fortan ändern. „Die Startberechtigung für die Quali hat Polonia quasi jedes Jahr automatisch in der Tasche. Jetzt wollen sie aber groß investieren und in den nächsten Jahren in Europa ein gewichtiges Wörtchen mitreden“, weiß der „Krickatore“. Der soll demzufolge auch nicht der einzige namhafte Neuzugang der Londoner bleiben.

Zusatz-Aspekt E-Sport

Welche internationalen Hochkaräter bald an seiner Seite auf dem Feld stehen werden, darf er noch nicht verraten. Dafür aber einen anderen spannenden Aspekt seines Wechsels nach England: Als erster Volleyballclub weltweit plant IBB Polonia den Aufbau einer eigenen E-Sport-Abteilung. Konsolen-Virtuose Krick soll ganz gezielt auch dafür als Aushängeschild aufgebaut werden. „Das sind ganz konkrete Pläne mit Hand und Fuß“, ist auch United Volleys-Gründer und Geschäftsführer Jörg Krick zufrieden mit der Wahl seines Filius: „Außerdem ist London eine moderne Großstadt, genau wie Frankfurt, und schnell mit dem Flieger zu erreichen. Das ist mir, gerade nach der aktuellen Erfahrung mit den Corona-Auswirkungen, lieber, als wenn er irgendwo in Sibirien hockt.“

Auch DVV-Sportdirektor Christian Dünnes findet den Wechsel „mutig, aber spannend. Aber irgendwie war ja klar, dass bei Tobias wieder einmal alles anders läuft.“ Er habe anfangs selbst über den kuriosen Erstkontakt mit dem englischen Club geschmunzelt, so der Ex-United-Kapitän, „das war typisch Tobi.“ Als er aber von den Plänen für den Kader und den (noch geheimen) neuen Trainer gehört habe, „da war ich gar nicht mehr so überrascht, als er mir dann vergangene Woche seinen Entschluss mitgeteilt hat.“ Die deutschen Fans werden den nächsten Karriereschritt des Youngsters in jedem Fall mitverfolgen können. Krick wird, sobald der Umzug möglich ist, weiter fleißig in den sozialen Medien posten – und auch eine Fortsetzung der eigenen TV-Serie mit britischem Produktionspartner ist denkbar.