SAISON-AUS ALS „STOLZER TABELLENZWEITER“

  • Volleyball-Erstligasaison endet wegen Corona-Pandemie vorzeitig
  • Krick: „Sportstadt Frankfurt muss in schwieriger Situation zusammenhalten“
Aus: Die Saison 2019/20 ist für die United Volleys und alle anderen Erstliga-Clubs vorzeitig beendet. (Foto: Corinna Seibert)

Die Volleyball Bundesliga-Saison 2019/20 hätte für die United Volleys die erfolgreichste ihrer jungen Geschichte werden können. Jetzt hat sie ein abruptes Ende gefunden – früher als gedacht und erhofft, ohne Playoffs und Meister. Und das nicht nur für den Frankfurter Erstligisten, sondern für alle Clubs im Volleyball-Oberhaus. Am Abend des 12. März fiel in einer Telefonkonferenz die Entscheidung, den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen. „Wir haben das nachdrücklich unterstützt“, betont United-Geschäftsführer Jörg Krick. „Es war die einzig richtige Konsequenz, um den immer gravierenderen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die gesamte Bevölkerung und das Alltagsleben in unserer unmittelbaren Umgebung angemessen Rechnung zu tragen.“

Da habe auch keine Rolle gespielt, dass die Frankfurter vom unvermittelten Abbruch der Saison besonders hart getroffen sind. Immerhin lagen sie aussichtsreich auf Tabellenplatz zwei, weiter vorn als je zuvor kurz vor dem Hauptrundenfinale in der höchsten deutschen Spielklasse. Nach einer grandiosen Serie von acht Siegen hintereinander – auch das eine Premiere für die Uniteds – wären nur noch zwei weitere Partien erfolgreich zu überstehen gewesen, um von einer nahezu optimalen Ausgangsposition aus in die Entscheidungsspiele um die Deutsche Meisterschaft zu starten, darunter am 21. März das Highlight gegen den Tabellenführer und Titelverteidiger Berlin Recycling Volleys zuhause in der Fraport Arena. „Das ist eigentlich immer unser bestbesuchtes und umsatzstärkstes Match des Jahres, und diesmal lief der Vorverkauf natürlich besonders gut“, bedauert Krick.

„Dem Team war alles zuzutrauen“

Zumal „die Mannschaft einen echten Lauf hatte und ich fest davon ausgegangen bin, dass wir Berlin noch in der Normalrunde die erste Niederlage beifügen können – Dann hätte ich gern mal gesehen, wie das trotz der überragenden Saison der BR Volleys in einem möglichen Playoff-Finale gegen uns ausgeschaut hätte!“ In jedem Fall habe man den Fans bis zum letzten Ballwechsel einen spannenden Kampf um die Deutsche Meisterschaft bieten wollen, „nach der Entwicklung der vergangenen Wochen war dem Team wirklich alles zuzutrauen.“ Aber „manche Dinge sind einfach wichtiger als Sport und Volleyball und gehen selbstverständlich vor. So beenden wir die Runde eben als stolzer Tabellenzweiter und rüsten uns dafür, hoffentlich ab Oktober erneut in der Bundesliga und in der Champions League anzugreifen“, erklärt Krick.

Statt am Freitagmorgen ihr Abschlusstraining zu absolvieren und zum letzten Auswärtsspiel ins bayerische Herrsching zu starten, stehen für Spieler und Trainer nun Überlegungen an, wie es in den kommenden Tagen für sie weitergeht. „Das war für alle am Schluss eine ganz schwierige Situation, wenn sich manche der Jungs schon fragen, ob sie überhaupt noch von Deutschland aus problemlos in ihr Heimatland zurückreisen können“, verdeutlicht Cheftrainer Juan Manuel Serramalera. Und auch für den Verein werden die kommenden Wochen nicht einfach: „Dass unser sportlicher Höhepunkt wegfällt, ist nach der fantastischen Rückrunde natürlich ein besonderer Tiefschlag. Statt vor dem größten Erfolg unserer Vereinsgeschichte stehen wir nun vor einem riesigen finanziellen Ausfall“, bilanziert der Geschäftsführer.

Berlin-Tickets werden rückerstattet

Der Schaden sei mittel- und langfristig kaum zu ermessen, „weil diese Top-Begegnungen natürlich den größten Gewinn und am meisten Renommee und mediale Aufmerksamkeit bringen. Das geht auf jeden Fall weit in den sechsstelligen Bereich.“ So ist zuerst eine Bestandsaufnahme angesagt, die Menge der zu klärenden Fragen enorm. „Wir setzen darauf, dass die Politik in Stadt, Land und Bund ihre Zusagen einhält und die Vereine in dieser schwierigen Situation unterstützt“, so Krick. Deshalb stimme von sich eng mit den anderen Bundesligisten vor Ort ab, „die Sportstadt Frankfurt muss jetzt zusammenhalten.“ Auch bei Fans und Partnern setze man darauf, „dass alle über die aktuelle Pause hinaus weiter zu uns stehen. Gleichzeitig sehen wir uns in der Pflicht, unseren Spielern, Trainern und Mitarbeitern Halt und Sicherheit zu geben. Da geht es immerhin um fast 25 Arbeitsplätze.“

In jedem Fall werden selbstverständlich bereits gekaufte Tickets für die Partie gegen Berlin rückerstattet. Dauerkarteninhaber werden gesondert angeschrieben. Auch wie es mit der so erfolgreichen „Vereins-Challenge“ weitergeht und jede Menge anderer organisatorischer und logistischer Fragen werden die Frankfurter Spitzenvolleyballer in den kommenden Tagen zu lösen haben – von der Lizenzbeantragung und von der Kaderzusammenstellung für 2020/21 einmal ganz abgesehen. In der kommenden Woche wird es dann hoffentlich schon genauere Erkenntnisse und Informationen dazu geben, wie der weitere Plan der United Volleys aussieht und wie der Verein die riesigen Herausforderungen bewältigen kann.