IM TOPSPIEL HUI, BEIM „UNDERDOG“ PFUI

  • United-Volleys auswärts mit Tiebreak-Niederlage gegen Rottenburg
  • „Überheblichkeit oder Bequemlichkeit“ nach zwei dominanten Sätzen
Zurück am Boden sind die United Volleys (Masahiro Yanagida und Milija Mrdak) nach der Niederlage gegen Rottenburg. (Foto: Corinna Seibert)

„Wir haben es selbst vergeigt.“ Ebenso kurz wie spontan fiel die erste Reaktion von United Volleys-Cheftrainer Stelio DeRocco nach der unnötigen 2:3 (21:25, 25:17, 25:15, 23:25, 12:15)-Pleite seiner Mannschaft am Samstagabend beim TV Rottenburg aus. Kurios: Während die Uniteds damit gegen die vermeintlichen direkten Konkurrenten Düren, Lüneburg und Unterhaching durchweg gewinnen konnten, patzten sie gegen Königs Wusterhausen, in Giesen und jetzt in der Tübinger Paul Horn-Arena gleich drei Mal gegen weiter hinten in der Tabelle platzierte Teams. Dabei hatte nach dem jüngsten Heimsieg gegen die AlpenVolleys alles nach einem Aufwärtstrend ausgesehen und durchaus mehr als nur den – besonders angesichts von 106:97 Ballpunkten –  mageren einen Zähler gegen die Schwaben des TVR erwarten lassen.

Fünf Asse vom „MasaHero“

Der Auftakt erinnerte dabei noch an die Partie vom Donnerstag. Nach einem schwungvollen Beginn, als vor allem Youngster Louis Kunstmann und der nach seiner ersten goldenen MVP-Medaille noch einmal selbstbewusster auftrumpfende Masahiro Yanagido eine frühe Drei-Punkte-Führung herausgespielt hatten, schwächelten die Frankfurter in der Annahme und kassierten in kurzer Folge gleich mehrere Asse. Der 0:1-Satzrückstand ließ sich danach nicht mehr verhindern, dafür zeigten die Gäste in Durchgang zwei endlich die erhoffte Dominanz und Spielstärke, die zwangsläufig mehr Fehler und Unsicherheiten auf Seiten der Rottenburger provozierte. Vor allem der japanische „MasaHero“ glänze weiterhin mit starkem Service (insgesamt fünf Aufschlagpunkte) und mutigen Angriffen.

Als es in Satz drei zwischenzeitlich einmal eng wurde, demonstrierte „Holland-Hammer“ Floris von Rekom seine schon bekannten Qualitäten als „Aggressive Leader“ und punktete clever zwei Mal hintereinander nach Hilfs-Zuspiel von Kapitän Milija Mrdak. Der eingewechselte Blain Cranston besorgte schließlich per Angabe das scheinbar beruhigende 2:1. Der vierte Durchgang ließ zunächst ebenfalls keine Zweifel am erfolgreichen Ausgang der Partie aufkommen. 5:0 lagen die Uniteds nach einer Wahnsinns-Serie von Yanagida bereits vorn. Dann aber waren plötzlich die vergessen geglaubten Annahme-Probleme vom Anfang wieder da, und Rottenburgs Aufschlag-Experten Grozer und Weir dadurch in der Lage, den Spielstand zu drehen. „Ich weiß nicht, ob das in dieser Phase Überheblichkeit oder Bequemlichkeit bei uns war“, haderte DeRocco.

Verletzte fehlen im entscheidenden Moment

Zudem standen ihm an diesem Abend wieder so gut wie keine echten Alternativen zur Verfügung. Außenangreifer Luke Smith war zwar mit angereist, aber wegen seiner noch akuten Zerrung im Schulterbereich praktisch nicht einsatzfähig. Der zweite Libero Thorben Stahmer fällt mit gebrochener Rippe noch mehrere Wochen aus. Das machte sich nun bemerkbar, als Yanagida (21 Punkte) und van Rekom (27), die bis dahin die Hauptlast in der Offensive getragen hatten, diesem Pensum Tribut zollen mussten. „Ich hatte vor dem Match darauf hingewiesen, dass Rottenburg kein Team ist, das man einfach vom Platz fegen kann. Die fighten bis zum Ende, und das haben sie auch diesmal getan, während es bei uns in den Schlüsselszenen bei den Schlüsselspielern nicht mehr gereicht hat“, stellte DeRocco fest. Satz vier blieb dadurch eng, ehe eine Abwehr an die Hallendecke für die Entscheidung und den unglücklichen Ausgleich sorgte.

Auch den Tiebreak eröffnete ein Yanagida-Ass. Danach wurde jedoch Milija Mrdak zuerst ein Zuspiel abgepfiffen, seinen hinübergepritschten Ball verwerteten die Hausherren hingegen direkt zum 3:2. Gleich mehrfach landeten anschließend Schmetterschläge der Uniteds knapp im Aus, und endgültig von allen guten Geistern verlassen schienen die Frankfurter, als sie einen Dankeball des TVR einfach auf die Grundlinie fallen ließen. Noch gaben sie sich dennoch nicht geschlagen, nach mehreren dramatischen Ballwechseln schrie nicht nur Floris van Rekom seinen Ärger hinaus. Den bei Rottenburg eingewechselten US-Linkshänder Karl Apfelbach bekam man jedoch nie richtig in den Griff, und so ließ sich der einmal entstandene Rückstand von vier Punkten nicht mehr als bis auf einen reduzieren. „Back to work“, so DeRocco, sprich: ins Training, heißt es nun während der zehntägigen Spielpause. Dann geht es mit dem ersten Europapokal-Heimspiel am 11. Dezember gegen Shaktior Soligorsk weiter.