HEISSER FIGHT ZUR WEIHNACHTSZEIT

  • United Volleys reisen zum ungeschlagenen Meister nach Berlin
  • Olympia-Qualifikation beschert eine lange Weihnachtspause
Einen unerwarteten Punktgewinn konnten die United Volleys beim Meister in Berlin bejubeln. (Foto: Corinna Seibert)

Manche Menschen mögen es zu Weihnachten besinnlich, andere freuen sich auf die alljährliche Fernsehausstrahlung von „Stirb langsam“. Die United Volleys Frankfurt lieben es anscheinend, zum Ende der Hinrunde einen ungeschlagenen Tabellenführer vorgesetzt zu bekommen und diesen ordentlich bluten zu lassen – und dürften damit eher zu den Action-Fans zählen. Waren es 2018 die AlpenVolleys, die in der Fraport Arena ihre erste Niederlage kassierten, so bekam am Sonntag das Meisterteam der Berlin Recycling Volleys die ganz spezielle Festtagsstimmung der Uniteds zu spüren. Obwohl sie letztendlich mit 2:3 (25:27, 25:20, 20:25, 25:21, 8:15) im Tiebreak unterlagen, entführten die Hessen damit einen wertvollen Punkt aus der Hauptstadt, der sie vor der Winterpause unerwartet zurück auf Tabellenplatz vier brachte.

Auf Satzausgleich folgt Berliner „BR-Ass“

„Etwas aus dieser Halle mitzunehmen, ist immer besonders“, freute sich Cheftrainer Stelio DeRocco: „Das war ein echtes Geschenk zum Jahresabschluss, so dicht, wie wir heute an einer Sensation waren. Und es wäre ein noch größeres gewesen, wenn wir tatsächlich gewonnen hätten – vor allem wegen der Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind.“ Schon im ersten Satz präsentierten sich die Gäste auf Augenhöhe und lagen nach einem Ass und einer Angabenserie von Kapitän Milija Mrdak mit 12:10 vorn. Als sie nach einigem Hin und Her bei 23:23 kurz vor dem Satzball standen, servierte jedoch Berlins Amerikaner Kyle Ensing einen eiskalten Aufschlag die Linie entlang. Zwei Mal wehrten sich die Uniteds erfolgreich gegen die Berliner Satzführung, dann schlug der spätere „MVP“ Jeffrey Jendryk für die BR Volleys zu. Nachdem sie somit nur am Duft aus der Weihnachtsbäckerei schnuppern, aber noch nichts kosten gedurft hatten, zeigten sich die United Volleys anschließend umso hungriger.

Der nächste Durchgang begann mit zwei Blocks und einem raffinierten Leger von Zuspieler Matthias Valkiers. 8:3 hieß es zur ersten Technischen Auszeit für ihn und seine Mitspieler. Vor allem mit den Angaben machten die Uniteds ordentlich Druck auf die Gastgeber, so dass sogar deren Star-Regisseur Sergey Grankin einmal ein Zuspiel misslang. Zum Frankfurter „Christmas Spirit“ trug auch ein wild entschlossener Einerblock von 1,86-Meter-Mann Masahiro Yanagida gegen den 15 Zentimeter größeren Ensing bei. Da war es nur allzu verständlich, dass die Berliner nach dem deutlichen 20:25 einen echten Brass hatten, und der schreibt sich bei den BR Volleys „BR-Ass“. Gleich serienweise schickten Moritz Reichert & Co. nun von der Grundlinie aus wahre Granaten übers Netz. 1:8 lagen die United Volleys schnell zurück, gaben sich jedoch nicht auf. Bis auf drei Punkte kamen sie noch heran und trugen das Ihre dazu bei, dass den 5.800 Zuschauern ein denkwürdiges Match geboten wurde.

„Hätten sechsten Durchgang bestimmt gewonnen“

In Satz vier waren es erneut der zuverlässige Mrdak und Topscorer Floris van Rekom, die einen Vorsprung herausholten, auch der „MasaHero“ punktete aus nahezu allen Lagen. Ein Berliner Übertritt besiegelte schließlich den ersten Tiebreak 2019/20 in der Schmeling-Halle. Der begann ausgeglichen, bis der Schiedsrichter einen Ball des United-Kapitäns im Aus sah. Danach leisteten sich die Hessen zu viele Fehler, lediglich Yanagida blieb für die Hauptstädter nicht zu stoppen. Somit musste man sich im Entscheidungssatz etwas unter wert geschlagen geben, der Frust darüber war unter den Spielern allerdings weitaus größer als bei den rund 40 mitgereisten Unterstützern vom „Red Block“. „Wir hätten auch noch einen sechsten Durchgang gespielt und den bestimmt wieder gewonnen“, zeigte sich Stelio DeRocco überzeugt.

Letztendlich habe der Meister vor allem Kleinigkeiten besser gemacht, fand er, die jedoch seien ausschlaggebend gewesen. Dennoch war der Coach mehr als zufrieden mit dem „großartigen Einsatz meiner Spieler, die sich nie aufgegeben haben. In der Rückrunde haben wir hoffentlich alle wieder gesund an Bord – Dann wird man sehen, wozu wir noch in der Lage sind.“ Dass in der Volleyball Bundesliga in dieser Saison vieles vorstellbar ist, machten am Wochenende die 0:3-Pleite von Rekordmeister Friedrichshafen in Düren und der 50:48-Marathonsatz der AlpenVolleys gegen Lüneburg deutlich. Für Tobias Krick und den Belgier Valkiers geht es nun direkt nach Weihnachten erst einmal zu ihren Nationalmannschaften, die vom 5. Januar an in Berlin um den letzten verbleibenden europäischen Olympia-Startplatz kämpfen. Für den Rest des Teams beginnt zeitgleich die Rückrunden-Vorbereitung, um beim Heimspiel am 19. Januar gegen Eltmann einen gelungenen Start in 2020 feiern zu können.