DRAMA IN (MEHR ALS) FÜNF AKTEN

  • United Volleys Frankfurt mit Tiebreak-Niederlage raus aus den Playoffs
  • Trotz Ausfall von Topscorer Karlitzek großer Kampf gegen Lüneburg
Trotz einer starken Charakterleistung konnten Julian Zenger und seine United Volleys das Playoff-Aus nicht abwenden. (Foto: Corinna Seibert)

Die größte Hiobsbotschaft hatte die United Volleys schon zwei Tage vor ihrem entscheidenden dritten Playoff-Viertelfinale gegen die SVG Lüneburg ereilt. Im Training am Freitagabend war Topscorer Moritz Karlitzek unglücklich mit seinem Nationalmannschaftskollegen Julian Zenger zusammengestoßen. Die dabei erlittene Verletzung am Daumen stellte sich bei der späteren Untersuchung im Klinikum Höchst als Bruch heraus, der eine Operation unumgänglich machte. Während der bis zum Tiebreak hart umkämpften 2:3 (25:20, 14:25, 22:25, 33:31, 10:15)-Niederlage am Sonntag in der Hamburger CU Arena sollte es sogar noch schlimmer kommen. Mitte des zweiten Satzes musste auch der bis dahin gewohnt zuverlässige Mittelblocker Lucas Van Berkel vom Feld, der sich bereits unter der Woche mit schmerzhaften Fußbeschwerden herumgeschlagen hatte.

„Milijanär“ Mrdak mit unglaublichen 33 Punkten

„Umso mehr bewundere ich, welchen Charakter und wie viel Herz meine Spieler gezeigt haben“, war Cheftrainer Stelio DeRocco voll des Lobes, „ich hätte mir heute wahrlich nicht mehr von ihnen wünschen können.“ So waren die Uniteds von Beginn an scheinbar unbeeindruckt in das wichtige Match gegangen, welches sie sich mit ihrem Sensations-Comeback am Mittwoch in der Fraport Arena verdient hatten. Bis zum Schluss behielten sie in Satz eins, in dem das Spielglück lange hin und her wogte, die Nerven. Beim Stand von 16:17 schlug der frischgebackene Vater Milija Mrdak zunächst vorn am Netz und danach noch drei Mal von der Aufschlaglinie zu: zwei Asse und ein Block seines serbischen Landsmanns Maksim Buculjevic, und es stand 20:17. Die Frage „Wer wird Milijanär?“ war damit beantwortet. Insgesamt sollte der 27-jährige an diesem Abend auf unglaubliche 33 Punkte kommen.

Da auch Kapitän Sebastian Schwarz stark servierte und Buculjevic weiter blockte, war der erste Durchgang kurz darauf in trockenen Tüchern. Anstatt sich davon und von den „U-U-United“-Gesängen der knapp 30 mitgereisten Fans beflügeln zu lassen, wirkten die Frankfurter in der Folge allerdings eher gehemmt, während dafür Lüneburg nach dem Motto „Jetzt oder nie“ aufdrehte. Im Block und in der Abwehr nicht mehr so konsequent und in der Annahme zunehmend wackelig, gerieten die Gäste frühzeitig ins Hintertreffen und mussten mit dem 1:1-Satzausgleich in die Zehn-Minuten-Pause gehen. Dieser war schon in den ersten beiden Playoff-Duellen eine durchaus tragende Rolle zugekommen. Wie vier Tage zuvor, schien sie jetzt erneut den Hessen zu helfen. 9:5 lagen Schwarz & Co. bald wieder in Front, nachdem Mrdak einen Strahl nach dem anderen auf die gegnerische Seite geschickt hatte.

Playoff-Debüt für 18-jährigen Kunstmann

Auch bei der zweiten Technischen Auszeit waren die Uniteds noch mit drei Zählern vorn, danach jedoch kippte der Satz – auch deshalb, weil die Volleys ihre fehlenden Wechsel-Alternativen im Angriff nicht mehr kompensieren konnten. „Da haben wir eine ganz große Chance liegengelassen. Umso beeindruckender war es, wie die Mannschaft zurückgekommen ist und sich einfach nicht geschlagen geben wollte“, fand Coach DeRocco. Tatsächlich legten seine Männer direkt wieder mit 4:1 vor und ließen sich auch nicht vom zwischenzeitlichen 13:13 schocken. Gewissermaßen als „letztes Mittel“ kam nun der gerade 18-jährige Louis Kunstmann anstelle von Georg Escher zu seinem Playoff-Debüt. Vier SVG-Matchbälle mussten der junge Bad Sodener und seine Nebenleute abwehren, unter anderem durch einen wild entschlossenen Einerblock von Andreas Fragkos gegen Lüneburgs Sclater. Den ersten eigene Satzball eroberte wiederum Mrdak, im fünften Anlauf erblockte Buculjevic das 1:1, und alles war wieder offen.

Die Freude darüber sollte allerdings nicht allzu lange anhalten. Offensichtlich hatten die Uniteds im Verlauf der spannungsreichen Playoff-Serie und mit dieser erneuten Aufholjagd nun endgültig die letzten Körner verbraucht. Schnell konnte sich Lüneburg absetzen, obwohl die Frankfurter weiterhin um jeden Ball fighteten. Auch ihre Aufschläge fanden nun kaum noch ihr Ziel, Chancen aus der Abwehr heraus blieben ungenutzt. Dennoch „sind wir enttäuscht vom Resultat, aber nicht vom Spiel und von der Einstellung, mit der wir uns hier nach so viel Pech und den beiden Ausfällen präsentiert haben“, bilanzierte Stelio DeRocco. Nach einer Saison „voller Höhen und Tiefen, in der viele erstmals die enorme Zusatzbelastung durch die Champions League-Teilnahme gespürt“ hätten, wolle man sich „erst einmal ein oder zwei Tage Zeit nehmen, um das Saison-Aus zu betrauern. Dann werden wir aber mit den Planungen für die Zukunft weitermachen und ab Oktober erneut angreifen.“