ZENGER SIEHT SEIN TEAM „AUF EINEM GUTEN WEG“

  • United Volleys unterliegen Rekordmeister Friedrichshafen 0:3
  • Jetzt geht es erst einmal auswärts nach Roeselare und Düren
Oft nah dran – Am Ende reichte es für Kapitän Sebastian Schwarz und seine United Volleys gegen Friedrichshafen nicht zu einem Satzgewinn. (Foto: Corinna Seibert)

„Wir müssen tief in uns schürfen, um den Siegeshunger wiederzufinden, den wir schon einmal hatten und den wir über so viele große Spiele hinweg vielleicht gerade ein wenig verloren haben.“ So beschrieb es United Volleys-Cheftrainer Stelio DeRocco am Dienstagabend nach der 0:3 (21:25, 20:25, 23:25)-Niederlage gegen den Bundesliga-Rekordmeister VfB Friedrichshafen. Damit ging innerhalb von knapp zwei Wochen auch die dritte Heimpartie verloren – wahrlich keine Schande, waren die beiden vorherigen Gegner mit dem Deutschen Meister Berlin und dem Champions League-Titelverteidiger Kazan doch von genauso großem Kaliber. Was der erfahrene Coach jedoch meinte: Auch in der Begegnung mit Friedrichshafen hatten seine Frankfurter durchaus wieder Chancen, mehr für sich herauszuholen. Anders als noch im Dezember bei den Triumphen gegen Ankara oder Tabellenführer Unterhaching landeten die „Big Points“ aber im eigenen Feld.

Zenger in der Defensive erneut eine Bank

So war es schon in Satz eins, den Georg Escher mit einem „Monsterblock“ eröffnete und direkt ein Ass zum 3:0 hinterherschickte. Anschließend gerieten die Uniteds erst einmal ins Hintertreffen, lagen bei der ersten Technischen Auszeit mit 5:8 zurück. Moritz „Air“ Karlitzek, der zuvor in einigen Situationen unglücklich agiert hatte, war es dann, der zur Aufholjagd blies und seinen Aufschlag zur 11:10-Führung versenkte. Die hielt bis zum nächsten Zwischenspurt der Häfler. Vor allem deren griechischer Nationalmannschaftskollege von United-Angreifer Andreas Fragkos, Athanasios Protopsaltis, wusste sich trotz seiner 1,85 Meter auch diesmal wieder clever gegen den „Mainblock“ zu behaupten. Drei Satzbälle wehrten die Gastgeber dank starker Aufschläge des eingewechselten Maksim Buculjevic noch ab, zu mehr reichte es nicht.

Ähnlich war der Verlauf von Durchgang zwei. Wieder lagen die Uniteds hinten, glichen aus, um in der entscheidenden Phase erneut den Anschluss zu verpassen. „Der VfB hat das sehr gut gemacht und uns in der Annahme permanent unter Druck gesetzt“, analysierte Libero Julian Zenger. Der Jung-Nationalspieler wurde für seine zahlreichen Rettungstaten in der Abwehr später zum silbernen „MVP“ der Partie gekürt. Beim Aufschlag gingen ihm die Friedrichshafener wohlweislich aus dem Weg, weil sie am „Frankfurter Sparkasse“-Spieltag in der Fraport Arena genau wussten, wo die Bank in der United-Defensive stand. Die gerade einmal drei Angaben, welche sie in seine Richtung schickten, parierte der „Julibero“ tadellos. Kapitän Sebastian Schwarz und Moritz Karlitzek taten sich daneben schon deutlich schwerer, letzterer wurde ab Mitte des Satzes durch den erfahrenen Fragkos ersetzt.

Schwarz versucht’s mit Kamikaze-Aufschlägen

Mit einem Netzroller-Ass ließ Milija Mrdak, mit 16 Punkten Topscorer des Spiels, noch einmal Hoffnung bei den rund 2.000 Zuschauern aufkeimen, die sein anschließender Übertritt postwendend zunichtemachte. Im dritten Durchgang schickte Trainer DeRocco Buculjevic für Adam Kocian im Zuspiel und den jungen Paul Henning anstelle von Lucas Van Berkel im Mittelblock aufs Feld. Mit einem waghalsigen Hechtsprung hinter die Werbebande bewies Henning seine Kämpferqualitäten und auch die übrigen Uniteds arbeiten sich trotz Rückständen immer wieder mit leidenschaftlichem Einsatz heran. Allerdings war Friedrichshafen „brutal stark in der Abwehr“, wie es Julian Zenger nannte. Als die gewohnt taktisch disziplinierten Gäste – gerade einmal 14 Eigenfehler standen bei ihnen am Ende zu Buche – beim Stand von 19:24 fünf Matchbälle hatten, schlug noch einmal die Stunde von „Bassi“ Schwarz.

Mit einer Serie von Kamikaze-Aufschlägen, inklusive zweier Asse, brachte er die United Volleys auf 23:24 heran, die nächste Risiko-Angabe blieb dann leider an der Netzkante hängen. „Wir müssen weiter gemeinsam alles dafür tun, besser und besser zu werden und genau dann am besten zu sein, wenn es darauf ankommt“, gab Stelio DeRocco nach dem Match die Marschroute für die kommenden Wochen vor. Die werden auch nach Abschluss des „Heimspiel-Marathons“ keineswegs einfacher. Roeselare in der Champions League und Düren als direkter Tabellennachbar heißen die nächsten Kontrahenten. „Wir hatten vielleicht ein kleines Tief, haben aber gegen die Topteams gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, da wieder rauszukommen“, fand Zenger. Ohnehin würden die Playoffs „dieses Jahr richtig hart, unabhängig von der Ausgangsposition. Wir haben aber schon gezeigt, dass wir gegen alle mithalten können. Und wer ins Finale kommen will, darf sich sowieso nicht aussuchen, gegen wen er vorher ran muss.“