KARLITZEKS KÜSSCHEN REICHEN NICHT

  • United Volleys unterliegen Meister Berlin zuhause mit 1:3
  • Nur zwei Tage später am Samstag in Herrsching gefordert
Als gut eingespieltes Duo konnten Topscorer Karlitzek und Zuspieler Kocian die Niederlage gegen Berlin nicht verhindern. (Foto: Corinna Seibert)

„Das willst du lieber nicht hören!“, beschied Cheftrainer Stelio DeRocco nach der 1:3 (15:25, 22:25, 25:22, 23:25) -Heimniederlage seiner United Volleys am Donnerstagabend gegen die Berlin Recycling Volleys die Frage von Moderator Axel Chur, wie heftig denn seine Ansprache an die Mannschaft nach dem Match ausgefallen sei. Ausgelöst hatte den Unmut des erfahrenen Coaches vor allem der erste Satz, in dem die Uniteds – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – noch gar nicht richtig in der Halle angekommen zu sein schienen. Der Deutsche Meister aus Berlin, mit dem festen Vorsatz angereist, die 0:3-Schlappe aus dem Hinspiel im November wettzumachen, konnte zeitweise fast nach Belieben punkten. Andersherum machte der Hauptstadt-Block deprimierende sieben Mal für die United-Angreifer die „Luke dicht“.

Bei den BR Volleys stand von Beginn an Ex-United Moritz Reichert auf dem Feld, sein einstiger Frankfurter Kollege Jan Zimmermann kam erst in Durchgang vier zum Einsatz. Für ihn besetzte ansonsten der 34-jährige russische Olympiasieger Sergei Grankin, erst seit knapp zwei Wochen im Berliner Kader, die Zuspielposition und lieferte sogleich reihenweise Kostproben seines Ausnahme-Könnens ab. Davon profitierte vor allem der spätere „MVP“ Benjamin Patch auf der Diagonalen. Aber auch die Pässe auf Jeffrey Jendryk und Georg Klein in der Mitte kamen so unvorhersehbar und variantenreich, dass der „Mainblock“ der Uniteds zu keinem Zeitpunkt echten Zugriff auf ihre Schnellangriffe bekam. Dass sie sich dennoch nicht kampflos in ihr Schicksal ergeben wollten, stellten die Hausherren ab Satz zwei unter Beweis.

Escher als emotionale Bereicherung

Nun wurde deutlich, was möglich gewesen wäre, wenn die Forderung des Trainers, „von Anfang an bei 100 Prozent zu sein“, umgesetzt worden wäre. Vor allem in den langen, spektakulären Rallys, die sich zur Freude der gut 1.300 Zuschauer in der Fraport Arena jetzt häuften, war Frankfurt fortan ebenbürtig. Zwar lagen die Gastgeber erneut mit einigen Punkten hinten, arbeiteten sich jedoch nach der Einwechslung des Wahl-Berliners Georg Escher, der auch emotional eine Bereicherung war, bis auf einen Zähler heran. Herausragend war dabei einmal mehr Moritz Karlitzek. Während der gesamten Partie gelangen ihm 23 Punkte, ein Wert, den kein anderer Akteur auf beiden Seiten auch nur annähernd erreichte. Mit vier Erfolgen war er zugleich bester Blocker auf dem Feld und lag am Ende mit drei Assen auch in der Service-Statistik vorn.

Da sich auch Milija Mrdak und Kapitän Sebastian Schwarz immer häufiger – mal mit Auge, mal mit Urgewalt – am Netz durchsetzten, bedurfte es am Ende schon der kompletten Grankin’schen Raffinesse, um auch diesen Durchgang an die Spree zu holen. Der Gegenschlag der Gastgeber folgte in Satz drei, den sie vom ersten bis zum letzten Ballwechsel dominierten. „I go, I go“, forderte Routinier Schwarz nach grandioser Escher-Abwehr den Ball, um ihn ungerührt am gegnerischen Block vorbei zum 11:6 auf die Linie zu nageln. Als die Gäste kurz vor Schluss doch noch einmal Morgenluft witterten, düpierte Moritz Karlitzek die „Berliner Mauer“ aus dem Handgelenk und schickte seinem Punkt zum 24:21 sogar noch ein Küsschen hinterher. Mit dem gleichen Selbstbewusstsein eröffnete „Karlittack“ kurz darauf den vierten Satz per Ass.

Nach 20:19-Führung kommt jähes und unerfreuliches Ende

Nachdem es ihm der Kanadier Lucas Van Berkel mit einer kurz gelegten Angabe nachgemacht hatte, führten die United Volleys zur ersten Technischen Auszeit mit 8:4. Nachdem die BR Volleys diesen Vorsprung zum 11:13 gedreht hatten, trumpfte „Milijanär“ Mrdak mit den zwei nächsten Service-Winnern auf. Bis zum 20:19 schien der Tiebreak für die Frankfurter zum Greifen nahe. Mit einer starken Aufschlagserie von Berlins US-Boy Patch fand die Begegnung dann jedoch ein ebenso jähes wie aus United-Sicht unerfreuliches Ende. „Ich war als Spieler immer extrem emotional und aggressiv – Das sind Eigenschaften, die ich auch von meiner Mannschaft sehen will, und zwar von der ersten Sekunde an“, machte der einstige Weltklasse-Angreifer Stelio DeRocco danach deutlich, denn: „Dieser Club hat eine Vision, hat große Ziele. Das bedeutet eine ebensolche Verpflichtung für jeden im Team.“

Umgesetzt werden muss diese Vorgabe gewissermaßen über Nacht. Die Abreise zum nächsten Match bei den WWK Volleys in Herrsching erfolgt nämlich bereits am darauffolgenden Vormittag. Punkte gegen die Bayern sind nun umso wichtiger, die beiden weiteren „Heimkracher“ gegen die „Außerirdischen“ von Zenit Kazan in der Champions League am 14. und gegen Rekordmeister VfB Friedrichshafen am 19. Februar sollten deshalb vorerst in den United-Köpfen ganz weit nach hinten rücken. Die Fans aus der Rhein-Main-Region und darüber hinaus können sich hingegen schon jetzt hier noch Top-Plätze für diese Volleyball-Schmankerln sichern.