FLUG GELANDET, FLUCH GEBANNT

  • United Volleys mit 3:0-Auswärtssieg in Rottenburg
  • Wichtige Punkte im Kampf um vordere Tabellenplätze
Beim Auswärtssieg in Rottenburg hatten die United Volleys wieder einmal reichlich Grund zur Freude. (Foto: Corinna Seibert)

Zwar hatten die Gastgeber vom TV Rottenburg am Samstagabend – passend zum Spieltagsmotto und -sponsor – eigens echte Flugbegleiter organisiert. Mit ihrem klaren 3:0 (25:18, 25:20, 25:23)-Sieg in nur 80 Minuten machten die United Volleys jedoch schnell deutlich: Ihnen hängt nach der unerfreulichen Auswärtspleite in Giesen zehn Tage zuvor keinesfalls ein „Fluch“ gegen die Mannschaften vom Tabellenende an. Diesmal gaben sich die Frankfurter keine Blöße gegen den Underdog, und folgten damit der Ansage von Cheftrainer Stelio DeRocco: „Ich habe noch einmal betont, dass wir das hohe Niveau dieser Liga anerkennen und jedem Gegner und seinen Fähigkeiten Respekt zollen müssen“, so der einstige kanadische und australische Nationalcoach.

Vier Asse von „Syft-Ace-stad“

Mit Tanner Syftestad auf der Diagonalposition, Andreas Fragkos im Außenangriff und dem jungen Paul Henning in der Mitte ließ DeRocco drei frische Kräfte von Beginn an ran und war nachher „sehr zufrieden mit der Leistung, die alle gezeigt haben.“ Und auch eine weitere Anweisung des Trainers wurde umgesetzt: „Nach dem Champions League-Match in Ankara wollten wir diesmal besser in die Sätze starten und in den Schlussphasen abgeklärter spielen.“ Ersteres unterstrich bereits beim ersten Ballwechsel der Ex-Rottenburger Moritz Karlitzek mit seinem Block zum 1:0. Vor dem 7:5 hechtete „Karlittack“, der von seinen früheren Kollegen konsequent in der Annahme gesucht wurde, sogar über die eigene Mannschaftsbank, um den Ball im Spiel zu halten. Auch die übrigen Uniteds hatten schnell ihre optimale Flughöhe erreicht, allen voran der US-Amerikaner Syftestad, der in diesem Durchgang auf sechs Punkte kam.

Er war es auch, der das Rhein-Main-Team in Satz zwei mit einer starken Aufschlagserie 8:4 in Front brachte. Insgesamt sollten ihm in der Partie vier Asse gelingen. Nachdem per Doppelwechsel auch Milija Mrdak und Maksim Buculjevic Einsatzzeit bekamen, galt es lediglich beim Stand von 17:11 eine kurze Schrecksekunde zu überstehen, als der Rottenburger Johannes Schief bei einem Abwehrversuch mit dem Kopf voran in die LED-Werbebande geflogen war. Den entscheidenden Punkt zur 2:0-Satzführung der Uniteds besorgte mit TVR-Zuspieler Jan Röling ausgerechnet ein Hesse. Der Ex-Frankfurter Volleyball-Internatler aus Kriftel war zum Aufschlag eingewechselt worden, seine Angabe segelte jedoch ins Aus. Ansonsten stellte auf Seiten der Hausherren mit Jannis Hopt ein ehemaliger United-Spieler die Bälle. Im Hinspiel noch verletzt, konnte er diesmal auch als silberner „MVP“ die Niederlage seiner neuen Mannschaft nicht verhindern.

Kocian mit Rückhand-Block

Im dritten Durchgang durften die United Volleys dann immerhin auch noch die geforderte Coolness in der „Crunchtime“ beweisen. Nachdem mit Paul Henning ein weiterer früherer Rottenburger die 3:2-Führung erblockt und Adam Kocian direkt ein Ass nachgelegt hatte, machten sich die Gäste durch zu viele Fehler zunächst selbst das Leben schwer. Nach deutlichen Worten von Interims-Kapitän Karlitzek wurde ein erster Drei-Punkte-Rückstand zwar zunächst egalisiert. Beim Stand von 14:17 musste Stelio DeRocco trotzdem noch den zunächst geschonten Routinier Sebastian Schwarz aufs Feld schicken. Mit cleveren Aktionen „fummelte“ der die Uniteds durch den TVR-Block hindurch mit 21:20 in Führung. Spektakulär war danach die Aktion von Regisseur Adam Kocian, der nach einer zu lang geratenen Annahme seiner Kollegen im Seitwärts-Laufen mit dem Unterarm die Rottenburger Direktabnahme unerreichbar ganz nach hinten ins gegnerische Feld blockte, sozusagen ein Rückhand-Return.

Zum richtigen Zeitpunkt stand dann auch wieder die Block-Feldabwehr, und Syftestad – zuvor noch vom Schiedsrichter wegen einer vermeintlichen Netzberührung zurückgepfiffen – konnte das vorentscheidende 24:22 landen. Den Matchball verwandelte standesgemäß und gefühlt aus der Stratosphäre Überflieger Moritz „Air“ Karlitzek. „In der Schlussphase der Bundesliga-Hauptrunde, in der wir uns unbedingt weiter nach oben spielen wollen, zählt jeder gewonnene Punkt oder Satz. Deshalb war das heute ein ganz wichtiger Erfolg“, lobte der Cheftrainer. Dank der Niederlage von Lüneburg gegen die AlpenVolleys und des knappen Tiebreak-Siegs von Berlin in Düren konnte auf beide direkte Kontrahenten Boden gut gemacht werden. Der amtierende Meister aus der Hauptstadt ist schon am Donnerstag in der Fraport Arena Gast beim ersten von drei absoluten Top-Matches. Danach folgen Champions League-Titelverteidiger Kazan und der deutsche Rekordmeister VfB Friedrichshafen. Tickets gibt es hier.