ALLE KÖRNER RESTLOS AUFGEBRAUCHT

  • United Volleys verlieren Auswärtsspiel in Herrsching 2:3
  • Mit Zenit Kazan kommt nun der schwerstmögliche Gegner
Knapp vor der Entscheidung schienen United-Topscorer Moritz Karlitzek die Kräfte verlassen zu haben. (Foto: Corinna Seibert)

Ein Ereignis mit Seltenheitswert für die bis zum Jahreswechsel national wie international so erfolgsverwöhnten United Volleys: Mit der 2:3 (25:21, 21:25, 24:26, 25:20, 15:11)-Niederlage im bayerischen Herrsching verloren sie am Samstag die zweite Begegnung in Folge, nachdem sie nur zwei Tage zuvor zuhause dem Deutschen Meister Berlin mit 1:3 unterlegen waren. Zur tragischen Figur wurde dabei im entscheidenden Tiebreak ausgerechnet der bis dahin stärksten Akteur auf Seiten der Frankfurter. Moritz Karlitzek hatte in den ersten vier Sätzen erneut herausragende 25 Punkte eingesammelt, ziemlich genau ein Drittel der Zähler des gesamten Teams. Mit exakt dieser Anzahl wurde er am Ende mit deutlichem Vorsprung Topscorer der Partie, denn es sollte kein weiterer mehr dazukommen. Der Jungnationalspieler hatte seine Körner anscheinend restlos aufgebraucht.

In Satz eins noch dominiert

Da musste auch Cheftrainer Stelio DeRocco „erst einmal durchatmen.“ Zwar unzufrieden mit dem einen Punkt, den die Uniteds vom Ammersee mit nach Hause nahmen, zollte er seinen Spielern dennoch Respekt: „Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend, aber wir haben heute in einer sehr unangenehmen Halle und gerade einmal 48 Stunden nach einem genauso intensiven Match alles versucht. Körperlich war das schon eine extreme Herausforderung.“ Zeitweise zeigten die Hessen dabei eine durchaus ansprechende Leistung und vor allem vollen Einsatz. Nach ausgeglichenem Beginn dominierten sie in Satz eins, wobei Karlitzek mit einem hinter der Werbebande herausgefischten Abwehrball ein entscheidendes Zeichen setzte. Mit 4:0 legten die Gäste auch in Durchgang zwei wieder vor, womöglich etwas zu viel des Guten. Beim Stand von 10:10 waren die heimischen WWK Volleys wieder dran und witterten Morgenluft.

Am Satzende schien dann der „Bayernblock“ für die United-Angreifer nahezu unüberwindbar, nachdem ausgerechnet ein Übertritt von Karlitzek den ersten Zwei-Punkte-Rückstand beschert hatte. Probleme hatten die Uniteds in der niedrigen Nikolaushalle zudem im Aufschlag, was sich auch im dritten Durchgang fortsetzen sollte. In diesem spielten nun US-Boy Tanner Syftestad für den Serben Milija Mrdak und der Grieche Andreas Fragkos anstelle von Kapitän Sebastian Schwarz. Gleich mehrfach gerieten die Frankfurter ins Hintertreffen, kämpften sich aber immer wieder heran. Sogar zwei Satzbälle der WWK Volleys konnten sie noch abwehren und zum 24:24 ausgleichen, bevor beim dritten eine Annahme an der Decke landete. Umso wütender stemmten sich die Uniteds danach gegen das drohende 1:3, allen voran Zuspieler Adam Kocian.

„Zu viele Chancen verschenkt“

Mit drei Assen in Serie brachte er sein Team 13:7 in Front und sorgte dafür, dass die Weichen frühzeitig in Richtung Tiebreak gestellt waren. In diesem zeigte sich jedoch bald wieder, was Stelio DeRocco so beschrieb: „Wir haben zu viele Chancen verschenkt, die wir normalerweise nutzen, sowohl aus der Abwehr heraus als auch im Block, wo das Timing oft nicht optimal war.“ Gleich zum Auftakt des Entscheidungssatzes war etwa die United-Defensive zwei Mal hintereinander zur Stelle, den Punkt holten jedoch die Herrschinger, die aus der eigenen Annahme fortan kaum noch Fehler machten. Dem ausgerechnet jetzt schwächelnden Moritz Karlitzek unterlief dafür ein Übertritt beim Aufschlag, sein Außen-Kollege Fragkos wurde zwei Mal empfindlich geblockt. Als dann noch Syftestad zwei Angriffe ins Aus donnerte, war ein weiterer Punkt im Ammersee versenkt.

„Auf jeden Fall ist das frustrierend“, konstatierte der Cheftrainer, „aber wir wissen zumindest, wo wir ansetzen müssen. Wenn wir weiter hart arbeiten, wird das Pendel bald auch wieder zu unseren Gunsten ausschlagen.“ Schaut man auf den nächsten Kontrahenten, könnte dies womöglich noch etwas dauern. Am Donnerstagabend sind die „Außerirdischen“ von Zenit Kazan, dem sechsmaligen Champions League-Gewinner, in der europäischen Königsklasse Gast in der Fraport Arena. Mit Weltstars wie dem französischen Europameister Earvin Ngapeth, dem WM- und Olympia-Dritten Matt Anderson aus den USA und dem russischen Goldmedaillengewinner von 2012, Maxim Mikhailov, erwartet die Sportfans ein Aufmarsch der Giganten, den sich keiner entgehen lassen sollte. Tickets können noch online auf www.unitedvolleys.de erworben werden.