111 MINUTEN MIT HERZ UND ASSEN

  • Glanzvoller CEV Champions League-Abend in der Fraport Arena
  • United Volleys liefern Titelverteidiger Kazan beim 1:3 großen Kampf
Trotz der Niederlage gegen Kazan war es für die United Volleys ein grandioser Volleyball-Abend. (Foto: Corinna Seibert)

70, vielleicht 80 Minuten – Wer in der CEV Champions League auf den sechsfachen Gewinner und amtierenden Titelträger Zenit Kazan aus Russland trifft, darf zumeist nicht mit allzu viel Spielzeit rechnen. Auch in diesem Jahr konnte die „Über-Mannschaft“ aus Tatarstan alle bisherigen Gruppenspiele schnell und deutlich für sich entscheiden. Vom Resultat her sah das auch am Donnerstagabend beim 1:3 (19:25, 21:25, 25:23, 18:25) der United Volleys Frankfurt gegen die „Außerirdischen“ nicht viel anders aus. Exakt 111 Spielminuten – live übertragen bei Eurosport – waren hingegen nicht nur ein Hinweis auf die bevorstehende Fastnacht, sondern zeugten vor allem von einem über weite Strecken extrem hochklassigen Kampf, welchen die „jungen Wilden“ aus Hessen ihrem übermächtigen Gegner lieferten.

Gegen die Superstars behauptet

“Matches wie dieses eröffnen unseren jungen Spielern die Chance, zumindest phasenweise aufzuzeigen, wie gut wir als Team schon sein können“, erklärte United-Cheftrainer Stelio DeRocco und lobte: „Die haben wirklich alle ergriffen und können sehr, sehr stolz auf sich sein!“ Gegen Kazan antreten zu dürfen, sei immer eine große Ehre, „und mit einem solch grandiosen Auftritt war es zugleich ein weiterer wichtiger Schritt nach vorn für unseren ganzen Club.“ „Wir waren heiß und wollten von Anfang an unser Bestes geben, um Kazan alles abzuverlangen“, unterstrich der international erfahrene United Volleys-Angreifer Andreas Fragkos. Das gelang schon im ersten Satz recht gut, als der griechische Nationalspieler mit einem sanften Leger die 2:0-Führung herstellte.

Die Entschlossenheit der Uniteds bekam vor allem Kazans Amerikaner Matthew Anderson zu spüren. Gleich mehrfach wurde der WM- und Olympia-Bronzemedaillengewinner, der den nicht mit angereisten russischen Superstar Maxim Mikhailov auf der ungewohnten Diagonalposition vertrat, von Georg Escher und Lucas van Berkel kompromisslos geblockt. Eine erfolgreiche Video-Challenge brachte Frankfurt kurz vor Schluss sogar noch einmal auf 18:21 heran. Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs waren die Gastgeber weiter auf Augenhöhe. Mit voller Angriffspower und anschließendem Ass besorgte Tanner Syftestad das 10:7. Der Kalifornier stellte mit insgesamt vier Service-Winnern sogar den französischen Wundervolleyballer Earvin Ngapeth in den Reihen von Zenit in den Schatten und avancierte am Valentinstag – in der Fraport Arena unter anderem mit einem flitzenden Liebesgott Amor zelebriert – zum „Herz-Ass“.

„Syft-Ace-Stud“ dreht auf

Ngapeth, unangefochtener Aufschlagkönig der Champions League, wurde später dennoch für seine spektakulären Angriffe und kreativen Zuspiel-Einlagen als „MVP“ der Partie geehrt. Bei den United Volleys durfte sich aber ohne Zweifel „Syft-Ace-Stad“ als Gewinner des Tages fühlen. Unerschrocken wie selten spielte sich der Stellvertreter von „Euro-Milijanär“ Milija Mrdak auf der Diagonalposition in den Vordergrund. Speziell aus schwierigen Ausgangslagen wusste er zu glänzen und erntete dafür mehrfach lautstarken Zuspruch von seinem Trainer. Ein Einer-Block und ein Ass von Moritz Karlitzek kurz vor dem Satzende sollten wegweisend für Durchgang drei werden. 3:7 lagen die Hausherren da schon zurück, bevor Georg Escher als bester Blocker der Partie den Anschluss wiederherstellte.

Zwar wurde danach eine 19:16-Führung der United Volleys noch einmal einkassiert. Eine weitere Challenge brachte jedoch das 23:21, nach Karlitzeks „Pipe“ konnten sich wenig später die rund 3.000 Zuschauer in einem kollektiven Jubelschrei entladen. „Es war großartig, in dieser Atmosphäre zu spielen“, lobte sogar der weitgereiste Matt Anderson. Zunächst sah es in Satz vier danach aus, dass sogar noch mehr drin sein könnte. Auch hier legten die Frankfurter vor, und selbst als Zenit konterte, nutzte noch der Rest der zweiten United-Garde die Gelegenheit, sich wie Vasilis Kostopoulos unbekümmert in die Scorer-Liste einzuschreiben. „Diese Haltung will ich auch am Dienstag sehen“, forderte Stelio DeRocco. Dann erwarten die Uniteds in der Bundesliga den Rekordmeister VfB Friedrichshafen in der Fraport Arena. Tickets gibt es hier.