UNITEDS WOLLEN DEN GORDISCHEN KNOTEN ZERSCHMETTERN

  • Erstes Match um die Champions League-Gruppenphase in Thessaloniki
  • Sieger des Duells trifft auf die „Weltauswahl“ von Zenit Kazan
Paul Henning hat vor den Spielen gegen Thessaloniki bereits das Motto verinnerlicht: „Wir sind Frankfurt!“ (Foto: Corinna Seibert)

Ganz nah dran sind die United Volleys Frankfurt am Einzug in die begehrte Gruppenphase der Champions League, und das gleich in ihrem ersten Jahr in der Königsklasse. Nur noch ein Gegner muss bezwungen werden, der hat es allerdings wahrlich in sich: Am Mittwochabend, um 17.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (live auf laola1.tv, müssen die Uniteds zunächst auswärts bei PAOK Thessaloniki ran, die endgültige Entscheidung fällt am Dienstag kommender Woche zuhause in der Fraport Arena. Die Motivation dürfte bei beiden Kontrahenten gerade noch einmal gestiegen sein. Die Auslosung der CEV im ungarischen Budapest bescherte dem Sieger des deutsch-griechischen Duells nämlich eine mehr als attraktive Gruppe: Knack Roeselare aus Belgien, Halkbank Ankara aus der Türkei und dazu der Titelverteidiger Zenit Kazan aus Russland, seit Jahren die weltbeste Mannschaft, gespickt mit den größten Stars des internationalen Volleyballs.

Alexander der Große als Vorbild

Bevor die United Volleys an Matt Anderson, Earvin Ngapeth oder Maxim Mikhailov denken dürfen, müssen sie sich in Thessaloniki aber erst einmal mit anderen großen Namen auseinandersetzen. Zumindest einer ist vielen im Frankfurter Kader bereits persönlich bekannt. Der Serbe Aleksandar Okolic spielte zuvor beim Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys. „Dass PAOK einen solchen Mann holen kann, zeigt allein schon, mit welchem Kaliber wir es dort zu tun bekommen“, erklärt United-Geschäftsführer Jörg Krick. Neben der starken Mitte haben die Griechen mit dem 2,11-Meter-Mann Mitar Tzourits, dem Kubaner Javier Jimenez Scull und Alexander Shafranovich, seines Zeichens Deutscher Meister mit Friedrichshafen und (zusammen mit United Patrick Steuerwald) DVV-Pokalsieger mit Unterhaching, gleich drei wuchtige Angreifer im Aufgebot. Besonders vor dem zuletzt angeschlagenen Israeli Shafranovich warnt United-Chefcoach Stelio DeRocco: „Wenn er fit ist, ist er ein wichtiger Impulsgeber für sein Team, weil er so ausgeglichen und zuverlässig ist.“

Demgegenüber sollten sich die Hessen in Sachen Unerschrockenheit und Selbstbewusstsein am besten an einem anderen Alexander ein Beispiel nehmen, nämlich dem Großen, der vor knapp 2.400 Jahren unweit von Thessaloniki zur Welt kam. Immerhin haben auch die sie ordentlich Angriffspower zu bieten. Moritz „Air“ Karlitzek oder der „Euro-Milijanär“ Milija Mrdak bringen beispielsweise alles mit, um jeden Block und jede Abwehr wie einst der große Feldherr den berühmten Gordischen Knoten zu zerschlagen. Stimmen dazu noch Kampfgeist und Leidenschaft in der Defensive, dann könnte vor dem Rückspiel nächste Woche in Frankfurt tatsächlich noch alles offen sein. „Das ist bislang unser mit Abstand stärkster Gegner“, sagt DeRocco über den dreifachen griechischen Meister, der im Gegensatz zu den United Volleys schon im vierten Jahr hintereinander in der Champions League am Start ist.

Heissblütige PAOK-Fans erwartet

„Wir müssen schnell regenerieren und uns im Training und beim Videostudium gut vorbereiten“, so der Coach, der zudem wieder auf seinen Kapitän Sebastian Schwarz hofft: „Wenn er sich gut fühlt, wird er spielen.“ Zu einem besonderen Erlebnis könnte für die Uniteds vielleicht auch die griechische Fan-Kultur werden. Die PAOK-Anhänger gelten selbst für dortige Verhältnisse als besonders leidenschaftlich und heißblütig, was bei der Sportbegeisterung der Hellenen keinesfalls nur auf Fußball oder Basketball beschränkt bleibt. Besondere Brisanz genießen freilich die traditionsreichen Begegnungen in der nationalen Liga, die in großer Zahl immer wieder deutsche und andere ausländische Nationalspieler anzieht. So taten sich die gut 1.200 Zuschauer beim jüngsten Champions League-Spiel gegen Istanbul auch lediglich durch stimmungsvollen Gesang und ausdauerndes Anfeuern hervor.

Aber möglicherweise kann Thessaloniki auswärts ja sogar auf noch enthusiastischere Unterstützung als daheim zählen. Zumindest treffen derzeit täglich mehr Ticketbestellungen ganzer PAOK-Fanclubs und auch einzelner Supporter für den 13.11. bei den United Volleys ein. Ob es am Ende jene 300 Griechen, die seinerzeit die berühmte Schlacht bei den Thermopylen bestritten, oder sogar noch mehr werden, wird sich zeigen. Um auch eine ordentliche und begeisterte Zuschauerschar aus „Mainhattan“ und der Rhein-Main-Region anlocken und dem entgegenstellen zu können, wollen die United Volleys am Dienstag jedenfalls schon auswärts sportlich deutlich machen: „Das ist Frankfurt!“ Zwischendurch wartet mit den Helios Grizzlys Giesen am Samstag noch eine Heimaufgabe in der Volleyball Bundesliga, die ebenfalls nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Tickets gibt es hier.