„JUNGE WILDE“ SIEGEN WIE ANTIKE HELDEN

  • Frankfurter triumphieren bei PAOK Thessaloniki sensationell mit 3:0
  • Noch zwei Sätze am Dienstag in Frankfurt für die Gruppenphase
Mit Leidenschaft von der ersten bis zur letzten Sekunde erkämpften sich die United Volleys in Thessaloniki eine hervorragende Ausgangslage. (Foto: CEV)

Schon kurz vor dem Matchball brüllte Sebastian Schwarz im dritten Satz die Spannung heraus, und seine Mitspieler im Team der United Volleys stimmten mit ein. Da war dem Kapitän, gerade erst nach einer Schulterverletzung ins Team zurückgekehrt, das vorentscheidende 22:20 im Hinspiel um den Einzug in die Champions League-Gruppenphase bei PAOK Thessaloniki gelungen. Einmal heißgelaufen, nahm der Ex-Nationalspieler auch die Entscheidung selbst in die Hand, provozierte zunächst mit einem druckvollen Aufschlag einen Zuspielfehler und servierte danach ein Ass zum 3:0 (27:25, 25:17, 25:21)-Spielgewinn. Das I-Tüpfelchen auf einer beeindruckenden Leistung des Routiniers, der auf fast 70 Prozent Erfolgsquote im Angriff kam.

Erster Dämpfer durch Van Berkel

In Sachen Aggressivität und Kampfgeist standen ihm die anderen Uniteds an diesem Abend freilich in nichts nach. Vor rund 1.500 frenetisch anfeuernden PAOK-Fans hatten sie sich offensichtlich einiges vorgenommen.  „Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, ihre Ausdauer, ihre Entschlossenheit, mit der sie an sich und den Sieg für die eigenen Farben geglaubt haben“, war Cheftrainer Stelio DeRocco hin und weg vom Auftritt seiner Männer. Bereits mit seinem Monsterblock zum 10:7 im ersten Durchgang, dem bis zum Ende noch fünf ebensolche folgen sollten, hatte Mittelmatador Lucas Van Berkel – mit neuer, geradezu spartanisch anmutender Frisur in Griechenland angetreten – den Erwartungen der Gastgeber einen ersten massiven Dämpfer verpasst.

Kleine Annahmeprobleme brachten die Hessen zwar noch einmal mit 13:16 ins Hintertreffen, aber Topscorer Moritz Karlitzek (16 Punkte) führte seine Mannschaft umgehend wieder heran. Selbst als ihm zum 21:22 eine Annahme durch die Finger flutschte, besorgte „Karlittack“ direkt den Ausgleich und versenkte wenig später auch persönlich den dritten Satzball zum 27:25. Ordentlich Feuer war spätestens im zweiten Satz in der Partie, als vorn am Netz Van Berkel kurzzeitig mit einem der Hausherren aneinandergeriet und beide die Rote Karte sahen. Der Kanadier zeigte sich davon deutlich weniger beeindruckt und lieferte erst einmal eine ordentliche Aufschlagserie zum Zwischenspurt auf 17:12 ab. Mit stolzgeschwellter Brust durfte dabei auch der erneut glänzend aufgelegte und trickreiche Zuspieler Adam Kocian seinen ersten Einerblock der Begegnung feiern.

Am Dienstag ist der Traum zum Greifen nah

Und als im zweiten Satz der Serbe Aleksandar Okolic, der auf PAOK-Seiten noch den resistentesten Eindruck machte, mit dem 4:6 die olympische Flamme auf den Rängen noch einmal neu zu entzünden schien, war der erneut Moritz Karlitzek als  Löschflugzeug zur Stelle und besorgte mit zwei Servicewinnern in Serie eine 11:8-Führung. „Wir haben heute durchgehend unsere Struktur und Ordnung beibehalten“, lobte Coach DeRocco. Gerade im Block seien die Uniteds extrem konstant gewesen, „da ist es gegen einen solchen Gegner wichtig, dass man nicht zögert, sondern einfach macht.“ Nicht viele hätten wohl geglaubt, dass Frankfurt nach den Langzeit-Verletzungen mehrerer Leistungsträger und dem straffen Programm der zurückliegenden Wochen derart dominant gegen ein erfahrenes europäisches Spitzenteam auftreten würde, vermutete „The Rock“.

Nun steht die Tür zur Gruppenphase tatsächlich weit offen. Neben Meister Berlin und Pokalsieger Friedrichshafen könnten die United Volleys Frankfurt als dritter deutscher Club der elitären Runde beitreten. Mit Spielen gegen die bereits ausgelosten Gegner Knack Roeselare aus Belgien, Halkbank Ankara aus der Türkei und die russische Übermannschaft von Zenit Kazan mit einigen der größten Stars des Weltvolleyballs hätten die „jungen Wilden“ vom Main erneut Historisches vollbracht. Aber dazu müssen am Dienstagabend um 19 Uhr in der Fraport Arena erst noch zwei gewonnene Sätze her. Dass man gegen einen Kontrahenten vom Format Thessalonikis auch in eigener Halle mit allem rechnen muss, mussten die Uniteds schon einmal 2017 beim CEV Cup-Aus gegen Montpellier erleben. Und bei alldem darf der Blick auf die Bundesliga nicht verlorengehen. Dort sind schließlich bereits am Samstagabend die Grizzlys Giesen in Frankfurt zu Gast. Tickets gibt es hier.