DEN GROSSEN BROCKEN ÜBER DEN BERG BRINGEN

  • Duell um Champions League-Gruppenphase soll keine Sisyphusarbeit werden
  • Nach 3:0-Hinspielsieg fehlen nur noch zwei Sätze zur Sensation
Die United Volleys wollen am Dienstag den historischen ersten Einzug in die Champions League-Hauptrunde bejubeln. (Foto: Corinna Seibert)

Die große Chance auf ein weiteres historisches Ereignis für die United Volleys und Volleyball-Frankfurt ist da nach dem 3:0-Hinspielerfolg bei PAOK Thessaloniki:  Egal, ob zwei, fünf oder sogar sechs Sätze – in eigener Halle, vor eigenem Publikum wollen die „jungen Wilden“ am Dienstag ab 19 Uhr alles geben, um gleich bei ihrer ersten Teilnahme sensationell den Einzug in die Champions League-Gruppenphase zu schaffen. Der Preis, um den es geht, ist schließlich wahrlich königlich. Die Auslosung hat dem Sieger des deutsch-griechischen Duells gleich drei namhafte Gruppengegner beschert: Knack Roeselare aus Belgien, Halkbank Ankara aus der Türkei und vor allem Titelverteidiger Zenit Kazan aus Russland, seit Jahren die weltbeste Mannschaft, mit einigen der größten Stars des internationalen Volleyballs.

Kämpfen bis zum glorreichen Ende

Namen wie Matt Anderson, Earvin Ngapeth oder Maxim Mikhailov sind allerdings erst einmal höchstens im Hinterkopf. Mit PAOK liegt noch ein riesiger Brocken vor den Uniteds. Und der muss tatsächlich ganz „über den Berg“ – Also nicht so wie bei Sisyphus in der griechischen Sage, dem die Last immer ganz kurz vor dem Ziel wieder herabrutschte. Es sind zwar „nur“ noch zwei Sätze, die zu holen sind. Aber die Männer aus Thessaloniki konnten unter anderem schon gegen Istanbul unter Beweis stellen, dass sie auch auswärts vorlegen und damit den Gegner unter Druck setzen können. Kämpfen bis zum glorreichen Ende, lautet deshalb die Devise für die Frankfurter, selbst wenn es notfalls sogar der „Golden Set“ sein muss.

Nach ihrer Heimniederlage gehen die Gäste mit offenem Visier in das Match und wollen wie einst Alexander der Große, der vor 2.400 Jahren unweit von Thessaloniki zur Welt kam, triumphieren. Zwei Namensvettern des erfolgreichen Feldherrn gehören dabei zu den Schlüsselfiguren, auf welche die United Volleys ein besonders wachsames Auge haben müssen. Einen kennen die Zuschauer in der Fraport Arena bereits: Der serbische Mittelblocker Aleksandar Okolic spielte bis zur vergangenen Saison beim Deutschen Meister Berlin Recycling Volleys und war vor einer Woche derjenige, der sich am hartnäckigsten gegen die Niederlage sträubte. Cheftrainer Stelio DeRocco hat zudem schon vor der ersten Begegnung vor Alexander Shafranovich gewarnt.

DeRocco setzt auf Stolz und Zuversicht

Der zuletzt noch angeschlagene Israeli wurde während seiner langen internationalen Karriere unter anderem Deutscher Meister mit Friedrichshafen und zusammen mit dem verletzten United-Regisseur Patrick Steuerwald Pokalsieger mit Unterhaching. In Topform ist er ein zentraler Impulsgeber für sein Team. Wichtig wird zudem sein, Mitar Tzourits auf der Diagonalposition von Anfang an zu stoppen. Nur fünf Punkte gelangen ihm im Hinspiel – mehr als ungewöhnlich für den 2,11-Meter-Mann. Wenn er seine Angriffsquote signifikant erhören kann, dürfte das auch die anderen PAOK-Spieler mitreißen. Einen zusätzlichen Vorteil erhofft sich der dreifache griechischen Meister, der im Gegensatz zu den United Volleys schon im vierten Jahr hintereinander in der Champions League am Start ist, nicht zuletzt durch die Unterstützung seiner Fans.

Die Anhänger von Thessaloniki gelten als besonders leidenschaftlich und heißblütig. Bereits bei ihren Europapokal-Auftritten in Bühl oder Friedrichshafen sorgten sie in der Vergangenheit für eine ebenso lautstarke wie imposante Kulisse. Die Ticketbestellungen aus Griechenland und von den zahlreichen PAOK-Fanclubs in Deutschland und Europa lassen für Dienstag ähnliches erwarten. Es könnten wohl tatsächlich jene 300 werden, die seinerzeit die berühmte Schlacht bei den Thermopylen bestritten, vielleicht sogar mehr. Die Zuschauer aus „Mainhattan“ und Umgebung müssen also auf jeden Fall ordentlich dagegenhalten. „Das ist Frankfurt!“, lautet das Motto, oder, wie United-Cheftrainer Stelio DeRocco sagt: „Wir sollten stolz sein auf das, was wir schon erreicht haben, und fest an das glauben, was wir noch erreichen können.“