STUTTGART, FRANKFURT, NATIONS LEAGUE

  • Unser vielseitig gefragter Interims-Co-Trainer Thomas Ranner im Interview
  • Aktuell als Teammanager mit United-Trio bei der Nationalmannschaft unterwegs
Thomas „Bob“ Ranner (links) mit den United-Nationalspielern Moritz Karlitzek, Julian Zenger und Tobias Krick

Als schon vor Ende der Bundesliga-Hauptrunde 2017/18 Co-Trainer Jan Kahlenbach wegen seiner neuen Aufgabe als Arzt im Klinikum Frankfurt Höchst zeitlich kürzertreten musste, hatten die United Volleys das Glück, kurzfristig eine adäquate Ersatz-Lösung für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft präsentieren zu können: Thomas „Bob“ Ranner – eigentlich Coach an der Volleyball Akademie des MTV Stuttgart – sprang in die Bresche. Inzwischen ist der „Mann für alle Fälle“ schon wieder in anderer Mission unterwegs, nämlich als Teammanager der deutschen Männer-Nationalmannschaft während der aktuellen FIVB Nations League-Saison. Zeit für ein Gespräch mit uns hat er trotzdem gefunden.

Vier Wochen bei den United Volleys in der entscheidenden Saisonphase – Wie fällt deine Bilanz aus?

Auf jeden Fall positiv. Ich hatte das Gefühl, dass das Trainerteam die Mannschaft sehr gut vorbereitet hat. Die Jungs wirkten taktisch gut eingestellt und richtig heiß aufs gewinnen. Dabei konnte ich zusätzlich sehr viel von Michael Warm und Jan Kahlenbach lernen. Natürlich wollte ich wie alle bei United ins Playoff-Finale. Auch wenn es gegen den späteren Meister Berlin leider unter etwas unglücklichen Umständen nicht gereicht hat, bin ich mit etwas Abstand aber einfach für die Chance dankbar und mit dem Erreichten zufrieden.

Welche Eindrücke nimmst du mit?

Ich habe von vornherein erwartet, dass hier sehr akribische anhand von vielen gesammelten Erfahrungen und erhobenen Daten gearbeitet wird. Diese Erwartung hat sich voll erfüllt. Das bezog sich sowohl auf das Training wie auch die Spiele. Überrascht hat mich vor allem die Ruhe auf der Bank in Wettkampfsituationen. Volleyball ist ein so komplexer Sport mit schwierigsten Entscheidungen gerade für den Cheftrainer. Dass es dabei dennoch so ruhig zugehen kann, fand ich erstaunlich.

In deiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit kümmerst du dich an der Stuttgarter Volleyball Akademie um die Förderung des weiblichen Volleyball-Nachwuchses. Was sind dort deine konkreten Aufgaben?

Ich bin hauptsächlich für die Talententwicklung verschiedener Jahrgänge verantwortlich. Dabei betreue ich gerade die meiste Zeit über die Jahrgänge 03/04 und 05/06. Zuerst stehen Spiele in Erwachsenenspielrunden an. Danach geht es weiter zu den Jugendmeisterschaften. Ziel ist für mich immer eine Kombination aus individueller Entwicklung und der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Dazu versuche ich durch meine Erfahrungen als Trainer und ehemaliger Bundesligaspieler meinen Teil zur allgemeinen Weiterentwicklung der Akademie beizutragen.

Was kannst du uns allgemein über die Arbeit der Volleyball Akademie erzählen?

Für mich persönlich steht der Leistungssportgedanke im Mittelpunkt meiner Arbeit. Dabei halte ich die Volleyball Akademie im MTV für einen der besten Arbeitgeber im deutschen Jugendvolleyball. In der Akademie wird alles dafür getan, die optimalen Vorrausetzungen zu schaffen, um diesen Leistungssportgedanken auch leben und vorleben zu können. Auch die Entwicklung von Trainern und  Strukturen ist ein ständiges Thema. Nur so können aus meiner Sicht die Bedingungen für die Spielerinnen und Spieler stetig verbessert werden.

Welche Faktoren sind dabei entscheidend?

Allgemein sind wir einen ziemlich gut vernetze Trainergemeinschaft. Wir versuchen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen um die bestmögliche Förderung zu erreichen. Themen sind da zum Beispiel Videofeedback zur Technikverbesserung, die Vermittlung des richtigen Umgangs mit Informationen aus dem Scouting oder auch die individuelle körperliche Weiterentwicklung jeder Spielerin, um lange gesund Sport auf höchstem Level betreiben zu können. Das übergeordnete Ziel ist natürlich, es langfristig junge Talente an die 1. Bundesliga und die Nationalmannschaft heranzuführen.

Jetzt bist du erst einmal mit der Nationalmannschaft unterwegs. Wie unterscheidet sich der Job dort von dem bei den United Volleys und in Stuttgart?

Jeder meiner Jobs hat seine ganz eigene Anforderungen und für mich damit auch unterschiedliche Reize. Bei den Uniteds war ich voll mit den Aufgaben als Co-Trainer betraut. Dazu gehörten die gemeinsame Spielvorbereitung, die Aufgaben im Training oder eben die Arbeit auf der Bank. Bei der Nationalmannschaft liegt mein Schwerpunkt in ganz anderen Bereichen. Der Teammanager ist hauptsächlich für die Bedürfnisse der Mannschaft und den reibungslosen Ablauf vor Ort zuständig. Dies verlangt auf diesem Level sehr viel Disziplin und auch Hingabe. Im Training helfe ich bei der Nationalmannschaft nur, wo ich gebraucht werde. Ich sehe das aber nur als Zusatz zu meinen Hauptaufgabe. Insgesamt stellen die unterschiedlichen Aufgaben für mich eine tolle Möglichkeit dar, mich ständig weiter zu entwickeln.

Welchen Eindruck machen aktuell unsere United-Nationalspieler auf dich? Mit welcher Erwartung geht ihr an die erste Nations League-Saison heran?

Der Eindruck ist für mich ein sehr guter. Tobias Krick und Julian Zenger waren ja bereits in Serbien und in Polen beim Überraschungssieg gegen den Gastgeber und Weltmeister dabei. Nachdem er seine Kniebeschwerden auskuriert hat, ist vor dem Turnier in Kanada auch Moritz Karlitzek wieder dazu gestoßen und aller Voraussicht nach auch beim Heimauftritt vom 15. bis 17. Juni in Ludwigsburg dabei. Wir wollen unter die ersten 12 Mannschaften kommen und dabei unser junges Team so gut wie möglich voranbringen. Die Spiele gegen die besten Mannschaften der Welt sind dabei eine tolle Möglichkeit.

Auf was freust du dich diesen Sommer am meisten?

Eigentlich genieße ich den ganzen Sommer. Die verschiedenen Reisen und auch der Wechsel der unterschiedlichen Aufgaben im Sand und der Halle bringen mir jeweils viel Spaß. Im Beachvolleyball stehen jetzt bald die 5-Star-Turniere und die Europameisterschaft in den Niederlanden an. Wenn ich mich in der Halle festlegen soll, würde ich die Nations League-Heimturniere mit den Frauen in Stuttgart und den Männern in Ludwigsburg, wo Japan, Argentinien und Russland die hochkarätigen Gegner sein werden, nennen. Ich erwarte zwei großartige Events, mit denen die Nationalmannschaften viele Leute begeistern können.