POKALFINALE ALS KRÖNUNG EINER ERFOLGSGESCHICHTE

  • United Volleys stehen am Sonntag im Endspiel gegen KW
  • 40 Jahre nach dem Frauen-Pokalsieg des Stammvereins
Mit Linus Hüger hat Coach Juan Manuel Serramalera in Mannheim einen Lokalmatador mit an Bord. (Foto: Corinna Seibert)

Wenn die United Volleys Frankfurt an diesem Sonntag um 17 Uhr (live auf SPORT1) zum ersten Mal die Finalbühne im DVV-Pokal betreten, ist dies mehr als das Ergebnis einer einzigen Saison. Als Gründer Jörg Krick die Mannschaft 2015 aus der Taufe hob, verband er damit die Hoffnung, in einigen Jahren um Titel mitspielen zu können. Der Pokalwettbewerb, zuvor im Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen ausgespielt und inzwischen mit ebenso riesiger Resonanz in der Mannheimer SAP Arena, war schon damals das erste große Ziel der Frankfurter Volleyball-Träume. Schon in einem ihrer ersten Spiele schalteten die Uniteds im Viertelfinale den Rekordpokalsieger VfB Friedrichshafen aus, mussten dann jedoch den Berlin Recycling Volleys beim Endspieleinzug den Vortritt lassen.

Da waren die „jungen Wilden“ um Zimmermann, Reichert & Co. gerade furios in ihre Premieren-Bundesligasaison gestartet, vor über 3.000 Zuschauern in der Fraport Arena. An deren Ende sollten sie als (nach wie vor) „bester Aufsteiger aller Zeiten“ ihre erste von bislang drei Bronze-Medaillen in der Deutschen Meisterschaft in Empfang nehmen. Zwei Mal schafften sie es, wiederum gegen Friedrichshafen und Berlin, im Playoff-Halbfinale bis ins Entscheidungsmatch. Es folgten unvergessene Auftritte im Europacup und sogar die Qualifikation für die Hauptrunde der CEV Champions League mit den Duellen gegen die internationalen Superstars von Zenit Kasan. Beim Saisonabbruch im März 2020 lagen die United Volleys auf Tabellenplatz zwei und hätten aussichtsreich in die K.O.-Spiele einziehen können.

Reichlich Pokalfinal-Erfahrung

Dafür wurden sie mit ihrem ersten Finale im Supercup belohnt, das im Oktober klar an den Favoriten aus Berlin ging. Im Pokalfinale am Sonntag hingegen begegnen sich zwei Teams auf Augenhöhe. Zwar konnten die Netzhoppers KW-Bestensee beide Auseinandersetzungen in der Volleyball Bundesliga für sich entscheiden. Die jüngste Begegnung stand bis zum 14:16 im Tiebreak jedoch bereits auf Messers Schneide. So waren sich beide Coaches bei der offiziellen Pressekonferenz auch einig, dass beim nächsten Aufeinandertreffen die Tagesform und die besseren Nerven entscheidend sein dürften. Selbstbewusstsein haben beide Teams schon bewiesen: die United Volleys bei ihrem Halbfinal-Auswärtssieg in Friedrichshafen und die Netzhoppers, die gegen Düren, Berlin und Herrsching gleich drei Mal das Kunststück fertiggebracht haben, einen 0:2-Satzrückstand noch zu drehen.

Die United Volleys wären also womöglich gut beraten, den ersten Satz gegen die Brandenburger von vornherein abzugeben. Solche taktischen Überlegungen finden im Matchplan von Coach Juan Manuel Serramalera aber wohl kaum einen Platz: „In einem Pokalfinale spielen Druck und Emotionen eine größere Rolle. Meine Mannschaft hat nach den vielen Rückschlägen in dieser ungewöhnlichen Saison bewiesen, dass wir in wichtigen Situationen auf den Punkt fokussiert sind.“ Er muss es wissen, als argentinischer Pokalsieger von 2019, ebenfalls mit einem weitgehend neuformierten Kader. Auch andere im United-Team verfügen über Pokalfinal-Erfahrung, allen voran der Olympionike und langjährige DVV-Kapitän Jochen Schöps mit seinen vier Pokalsiegen. Je drei Mal waren Daniel Malescha und Jakob Günthör mit Friedrichshafen erfolgreich.

Ausfallsorgen bei beiden Teams

Und auch die Argentinier Rodrigo Quiroga und Facundo Imhoff sowie der japanische Libero Satoshi Ide konnten zuhause bereits den Cup gewinnen. Dazu kommen mit Mario Schmidgall (2018 mit Bühl) und Noah Baxpöhler (2019 mit Lüneburg) zwei weitere Uniteds, die schon einmal Endspiel-Luft in der SAP Arena schnuppern durften. Insbesondere auf „Super Mario“ Schmidgall ruhen die Frankfurter Hoffnungen, muss er doch als einziger Zuspieler den langzeitverletzen Belgier Matthias Valkiers ersetzen, der lediglich als moralische Unterstützung mit nach Mannheim reisen kann. Nicht spielberechtigt sind die Neuzugänge Leon Dervisaj und Jonas Reinhardt. Ausfallsorgen beschäftigen allerdings beide Finalgegner. Bei den Netzhoppers kämpft der angeschlagene Kanadier Byron Keturakis um seine Teilnahme, wenngleich man bei den Uniteds fest mit einem Einsatz des herausragenden KW-Regisseurs rechnet.

Auf Seiten der Frankfurter muss Routinier Rodrigo Quiroga nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel weiterhin bangen, konnte nur vorsichtige Schritte im Training absolvieren. Dafür können sich seine Teamkollegen zumindest auf visuellen Rückhalt von den Rängen freuen, wo diesmal die üblichen rund 10.000 Final-Zuschauer leider fehlen werden. Dafür zeigen gut 200 United-Anhänger mit einem eigenen „Fan-Avatar“ Gesicht und werden die rot-blauen Farben in der Arena repräsentieren. Ohnehin einen Heimvorteil hat United-Youngster Linus Hüger. Der 17-jährige stammt vom Heidelberger TV, jenem Verein, der seit mehreren Jahren die Ballkinder und Helfer für das Endspiel stellt. Und dann könnte den Frankfurtern vielleicht noch ein weitaus älteres Kapitel ihrer eingangs geschilderten Pokalhistorie Mut machen: Vor genau 40 Jahren waren es 1981 nämlich die Frauen des Stammvereins TG 1862 Rüsselsheim, die mit ihrem Finalsieg hessische Pokal-Geschichte schrieben.

 

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