DRITTES LICHTLEIN WILL NICHT AUFLEUCHTEN

  • United Volleys verlieren nach 2:0-Führung gegen Friedrichshafen
  • DeRocco und Team erleben „Achterbahnfahrt“ gegen den Rekordmeister
Trotz 2:0-Führung mussten Stelio DeRocco und Lucas Van Berkel den Sieg gegen Friedrichshafen noch aus den Händen geben. (Foto: Corinna Seibert)

Fast hätte man es ahnen können: Am zweiten Advent brannten für die United Volleys am Ende eines spannenden Spiels beim Bundesliga-Rekordmeister VfB Friedrichshafen eben auch „nur“ zwei Lichtlein in Form gewonnener Sätze. Dabei schienen die Frankfurter bis zur Schlussphase von Durchgang drei auf dem besten Weg, sich zu „Crunchtime-Kings“ zu krönen und deutlich mehr als den einen Punkt und eine knappe 2:3 (25:21, 25:21, 23:25, 18:25, 12:15)-Niederlage mit nach Hause zu nehmen. „Wir waren eigentlich in allen Bereichen bestimmend und hatten das Momentum auf unserer Seite. Aber dann haben wir etwas zu viel Achterbahn gespielt“, bedauerte Cheftrainer DeRocco die verpasste Chance. Immerhin hatte er am Sonntagnachmittag endlich wieder einmal seine aktuelle Stammformation aufbieten können, nachdem die Uniteds in den zurückliegenden Wochen stets ersatzgeschwächt antreten mussten.

Zwei Mal im entscheidenden Moment losgelegt

Abgesehen von den namhaften Langzeit-Ausfällen Tobias Krick und Patrick Steuerwald fehlte nur noch Youngster Lorenz Karlitzek. Auch der serbische Neuzugang für die Zuspielerposition, Maksim Buculjevic, stand erstmals im Aufgebot. Dafür musste bei Friedrichshafen neben dem verletzten Ex-United Adrian Aciobanitei auch der griechische Superstar Athanassios Protopsaltis passen. Zu Beginn brachten beide Teams solide ihr Sideout durch. Dann setzte United-Regisseur Adam Kocian exakt zu dem Zeitpunkt seinen ersten Monsterblock zum 11:10, als der erste Rückstand drohte und er selbst soeben gerade noch den Ball unter der Netzkante hervorgekratzt hatte. Davon angestachelt, legte Lucas Van Berkel einen Service-Winner obendrauf, kurz darauf stellte erneut Kocian per Ass auf 14:11. Bei Aufschlag United hatten sich die 2.300 Zuschauer in der ZF Arena auch davor schon als echte Südländer präsentiert und ebenso lautstark wie hartnäckig akustisch zu intervenieren versucht.

Während bei den meisten Uniteds in dieser Phase so gut wie alles funktionierte, merkte man einzig Angreifer Moritz Karlitzek die gerade erst überstande Erkrankung noch an. Auch er kämpfte sich jedoch in die Partie und konnte mit seinen Kollegen einen eindeutigen Satzgewinn bejubeln. Mit seinen Angaben stellte er danach in Durchgang zwei den Anschluss wieder her, als die Gastgeber nun aggressiver zu Werke gingen und drauf und dran waren, auf fünf Punkte Vorsprung davonzuziehen. Den endgültigen Ausgleich zum 15:15 brachte etwas später, wie so oft, eine Van-Berkel-Serie. Nach Kocians Zuspielertrick zum 17:15 herrschte Stille in der Arena. Zum „Go-to-guy“ avancierte in dieser Phase der Serbe Milija Mrdak, der nach einem eigenen Service-Hammer auch persönlich zum 23:19 vollstreckte. Nur kurz machte er danach Platz, um seinem Vertreter Tanner Syftestad den Satzball zum 25:21 zu überlassen.

So wichtig wie einst Dünnes

In Satz drei brachte VfB- und Weltmeister-Trainer Vital Heynen den wohl ebenfalls kränklichen Nationalspieler David Sossenheimer. Der verlieh vor allem der Annahme der Häfler zusätzliche Stabilität, so dass ihm am Ende eine wohl ebenso strategisch wichtige Rolle zukam wie im November 2016, als sich beide Mannschaften ebenfalls 2:3 trennten, dem damaligen United-Kapitän Christian Dünnes. Im Bewusstsein, dass er in seinem gesundheitlichen Zustand auf keinen Fall ein komplettes Tiebreak-Match würde durchstehen können, war er seinerzeit bis zum letzten Moment geschont worden und hatte die Partie danach noch einmal spannend gemacht. Dafür sorgte am Sonntag neben Sossenheimer allerdings auch der ebenfalls eingewechselte Daniel Malescha. Mit 23 Punkten – auf ebenso viele kam bei den Uniteds Milija Mrdak – präsentierte sich der spätere „MVP“ allerdings alles andere als angeschlagen.

Nun lagen mal die Frankfurter vorn, ließen den VfB wieder rankommen. Dann lief es wieder genau umgekehrt – eben das, was der United-Chefcoach nach der Begegnung als den Knackpunkt ausgemacht hatte. „Da hat Friedrichshafen in einigen engen Situationen fantastische Spielzüge gezeigt, und wir haben es nicht wie sonst verstanden, aus der Abwehr heraus oder im Block zu kontern“, analysierte er. Das habe das komplette Spiel verändert, „sonst hätte es durchaus auch 3:0 für uns ausgehen können. Aber das ist eben ein großes und erfahrenes Team, mit dem man immer rechnen muss.“ Zudem häuften sich bei den Hessen jetzt die individuellen Fehler. Gleich 30 Mal profitierte in der Gesamt-Statistik der VfB von Annahmepannen oder von Angriffsschlägen der Uniteds, die ins Aus segelten. Nur 19 Punkte schenkten im Gegenzug die Häfler ihren Gästen. Und so stand am Ende eben „ein Resultat, wie es dabei herauskommt, wenn zwei starke Mannschaften aufeinandertreffen“, so Stelio DeRocco.

 

 

 

 

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