„POWER TIP“ und „TELESKOP-ARM“ REICHEN NICHT

  • Nach Kocian-Ausfall 0:3-Niederlage bei Titelverteidiger Zenit Kazan
  • Volleyball Champions League ab sofort regelmäßig auf Eurosport
Der kanadische Zuspieler Jackson Maris (rechts) musste gegen Kazan kurzfristig für den erkrankten Adam Kocian in die Bresche springen. (Foto: CEV)

Da musste schon der Titelverteidiger und sechsfache Champions League-Sieger der vergangenen zehn Jahre kommen, um der jüngsten Erfolgsserie der United Volleys Frankfurt ein – allerdings deutliches – Ende zu bereiten. Dass ein 0:3 (18:25, 17:25, 13:25) gegen die russischen „Giganten“ von Zenit Kazan kein unwahrscheinliches Resultat sein könnte, war den Uniteds vorher bewusst. Umso bedauerlicher war es, dass die Frankfurter gegen dieses „Weltklasseteam“ (Cheftrainer Stelio DeRocco) nicht in voller Besetzung antreten konnten. Stamm-Zuspieler Adam Kocian musste sich kurzfristig mit Magen-Darm-Problemen krankmelden. An seiner Stelle wurde der Kanadier Jackson Maris, nach dem längerfristigen Ausfall von Routinier Patrick Steuerwald im Oktober verpflichtet, ohne viel Spielpraxis ins kalte Wasser geworfen.

„So etwas kommt eben vor. Wir müssen lernen, damit umzugehen und uns weiterzuentwickeln“, konstatierte Coach DeRocco. Trotzdem hätten seine Männer gut zwei Sätze lang ordentlich mit- und dagegengehalten, fand er: „Die Ruhe und Gelassenheit, mit der wir in einem solchen Match auf dem Feld standen, hat mir gut gefallen.“ Er habe viele positive Dinge gesehen, aber auch solche, „die wir noch besser machen müssen, vor allem unter Druck.“ Auf jeden Fall sei es keine Schande, bei der besten Mannschaft der Welt zu verlieren, „wie viele andere vor und nach uns.“ Mit der Gruppenphase der Champions League sah er wieder ein neues Level erreicht, das sich die United Volleys aus eigener Kraft hart erarbeitet hätten: „Wir verdienen es, hier unter den Top-Teams dabei zu sein und können dadurch nur wachsen – also nicht bloß eine Win-Win-, sondern auch eine Grow-Grow-Situation!“, befand der frühere italienische Meister und Europapokalgewinner.

Ganze Raffinesse der United-Angreifer gefragt

Tatsächlich konnten die Uniteds bis zur Mitte des ersten Satzes die Partie noch weitgehend ausgeglichen gestalten. Erst eine Aufschlagserie des russischen Superstars Maxim Mikhailov, der mit zwei Assen zunächst den deutschen Nationallibero Julian Zenger abschoss und dann auch Kapitän Sebastian Schwarz in der Annahme keine Chance ließ, sorgte für einen 14:20-Rückstand. Trainersohn Loran Alekno erhöhte per Zuspielertrick auf 21:14 für die Gastgeber, denen der erste Durchgang danach nicht mehr zu nehmen war. Nachdem die Hessen schon mit einigen Punkten ins Hintertreffen geraten waren, setzte in Satz zwei Moritz Karlitzek mit seinem Block gegen Mikhailov zum 5:8 ein erstes Glanzlicht. Auch mit seinem – neben der Attacke aus dem Hinterfeld – Signature-Schlag, dem „Power-Tip“ mit langem Arm, kam er in der Folge mehrfach durch.

In der ungewohnten Zusammenstellung präsentierten sich die United Volleys erwartungsgemäß weitaus weniger eingespielt als in den zurückliegenden Begegnungen. Neben Karlitzek musste auch Routinier Schwarz immer wieder seine ganze Raffinesse aufbieten, um den Ball aus ungünstiger Ausgangslage am massiven „Ostblock“ der Russen vorbei zu mogeln. Mehr als auf 17:21 ließ sich der Abstand jedoch trotz allen Einsatzes nicht mehr verkürzen. Das blieb auch so in Durchgang drei, in dem die Uniteds weiterhin mit voller Leidenschaft kämpften – allen voran Defensivspezialist Julian Zenger mit diversen Abwehr-Sprints und ausgefahrenem „Teleskop-Arm“. Allerdings fehlten an diesem Tag auch die gewohnte Präzision und Durchschlagskraft im Aufschlag. Ganz anders bei Kazan: Da ließ sich der eingewechselte französische Ausnahmevolleyballer Earvin Ngapeth zwar erst einmal von Moritz Karlitzek im Drückduell bezwingen, konterte jedoch direkt mit zwei Assen.

„Stahlbad“ soll für Pokal-Aufgabe helfen

Nachdem er den amerikanischen Olympia-Bronzegewinner Matt Anderson ersetzt hatte, kam später auch noch der russische Spitzenzuspieler Alexander Butko herein. Bei den United Volleys nutzte Trainer DeRocco hingegen die Möglichkeit, seinen Youngstern Lorenz Karlitzek, Vasilis Kostopoulos und Tanner Syftestad Einsatzzeit zu verschaffen. Eine gute Nachricht hatte die Verantwortlichen in Frankfurt bereits vor dem Match erreicht: Als neuer Medienpartner des europäischen Volleyballverbands CEV wird der TV-Sender Eurosport ab sofort und bis 2020 auch in Deutschland zahlreiche Spiele der Königsklasse und weiterer Wettbewerbe im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Den Auftakt machte noch am gleichen Abend zeitversetzt der VfB Friedrichshafen gegen Ljubljana aus Slowenien.

„Wir sind guter Hoffnung, schon sehr bald auch mit einem unserer Spiele auf Eurosport zu sehen zu sein“, freute sich United-Geschäftsführer Jörg Krick. Zunächst einmal rückt am Main allerdings der DVV-Pokal in den Fokus. Am Sonntagnachmittag ab 16 Uhr geht es in der Fraport Arena gegen die SVG Lüneburg um den Einzug ins Halbfinale. Ein harter Brocken, der da aus dem Weg geräumt werden muss, um weiterhin den Traum vom Endspiel in der Mannheimer SAP Arena leben zu dürfen. Bleibt zu hoffen, dass das „Stahlbad Champions League“ die Uniteds auch dafür wieder so perfekt präpariert hat wie zuletzt für die Auftritte in der Volleyball Bundesliga. Tickets für diese Partie gibt es, wie für die nächste internationale Heim-Begegnung gegen Halkbank Ankara am 18. Dezember, hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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